Sun, 24 Oct 2021 03:11:03 +0200 Sun, 24 Oct 2021 03:11:03 +0200 news-2884 Tue, 15 Jun 2021 11:00:00 +0200 Trotz Änderung der (Muster-)Berufsordnung: Hilfe zur Selbsttötung weiterhin keine ärztliche Aufgabe https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=2884&cHash=ac2fdf45c8ba30c4165c121ddabc767d „[Ärztinnen und Ärzte] dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten“: Drei Stunden lang diskutierte der 124. Deutsche Ärztetag über diesen Satz im Paragrafen 16 der „(Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte“. Schließlich beschloss das Ärzteparlament, den Satz unter Berücksichtigung der in dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 dargelegten Gründe zu streichen. „[Ärztinnen und Ärzte] dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten“: Drei Stunden lang diskutierte der 124. Deutsche Ärztetag über diesen Satz im Paragrafen 16 der „(Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte“. Schließlich beschloss das Ärzteparlament, den Satz unter Berücksichtigung der in dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 dargelegten Gründe zu streichen.

In ihrem Urteil hatten die Karlsruher Richter den Strafrechtsparagrafen 217 für nichtig erklärt. Das im Jahr 2015 eingeführte Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid ist damit kein geltendes Recht mehr. Der Suizidwillige habe ein Recht darauf, die Hilfe dazu bereiter Dritter in Anspruch zu nehmen, um die Selbsttötung durchführen zu können, erklärte das Gericht, wies aber zugleich darauf hin, dass niemand verpflichtet sei, Suizidhilfe zu leisten.

Obwohl die Berufsordnung nicht Gegenstand des Verfassungsgerichtsurteils war, sei die entsprechende Regelung in der (Muster-)Berufsordnung nicht mehr aufrechtzuerhalten, begründete das Ärzteparlament seine Entscheidung. Das ändere aber nichts an der „lebens- und gesundheitsorientierten Zielrichtung“ ärztlichen Handelns. Die Hilfe zur Selbsttötung zähle nicht zum Aufgabenspektrum von Ärzten.

„Als Ärzte sind wir dem Leben verpflichtet“, betonte auch Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Er warnte die Politik vor dem Versuch, Ärzte bei der Suizidassistenz zu sehr in die Verantwortung zu nehmen. „Patienten brauchen absolute Verlässlichkeit, dass es ihrem Arzt darum geht, Leiden zu lindern“, so Reinhardt.

Ärzteorganisationen nahmen die Entscheidung des Ärzteparlaments positiv auf. Als „zentrale Fachgesellschaft für psychische Gesundheit“ trage man den Beschluss „voll und ganz mit“, sagte Prof. Dr. Thomas Pollmächer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Insbesondere die Suizidprävention müsse nun gesetzlich verankert und gestärkt werden. „Wir begrüßen die Klarstellung, dass die Mitwirkung an einem Suizid keine ärztliche Aufgabe ist“, erklärte Prof. Dr. Claudia Bausewein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Suizidassistenz müsse die absolute Ausnahme bleiben.

Die Gremien der Bundesärztekammer erarbeiten gegenwärtig Hinweise für Ärztinnen und Ärzte zum Umgang mit Suizidalität und Todeswünschen, wobei die Beschlüsse des Deutschen Ärztetages berücksichtigt werden.

Politische Entscheidung zur assistierten Sterbehilfe offen

Auch im Parlament ist das Thema angekommen. So debattierte der Deutsche Bundestag am 21. April 2021 zum ersten Mal über eine mögliche Neuregelung der Suizidbeihilfe. Vier Vorschläge liegen mittlerweile vor. Alle messen der Ärzteschaft zentrale Aufgaben bei der Sterbehilfe zu, ohne jedoch den einzelnen Arzt zur Teilnahme an der Sterbehilfe zu verpflichten. Das hatten auch die Karlsruher Richter ausgeschlossen.

In ihrem interfraktionellen „Entwurf eines Gesetzes zur Regelung der Suizidhilfe" betonen Katrin Helling-Plahr (FDP), Dr. Karl Lauterbach (SPD), Dr. Petra Sitte (Linke), Swen Schulz (SPD) und Otto Fricke (FDP), „dass die Hilfe zur Selbsttötung regelmäßig straffrei ist". Zugleich sollten Betroffene die „reale Möglichkeit" bekommen, ein Medikament zur Selbsttötung zu erhalten. Jeder sollte das Recht auf Hilfe zur Selbsttötung in Anspruch nehmen dürfen, der sich autonom und freiwillig dazu entschieden hat – also auch ein Gesunder, der nicht mehr weiterleben möchte, heißt es in dem Entwurf. Allerdings müssten jedem Suizidwilligen alle für die Entscheidung erheblichen Gesichtspunkte und Alternativen bekannt sein. Sicherstellen soll das ein Netz von behördlich anerkannten und von den Ländern organisierten Beratungsstellen.

Mindestens zehn Tage, spätestens aber acht Wochen nach der Beratung erfolge ein Aufklärungsgespräch, bei dem ein Arzt den Sterbewilligen mündlich über die „wesentlichen medizinischen Umstände" des Suizids sowie im Falle einer Erkrankung über Behandlungsmöglichkeiten und palliativmedizinische Angebote informiert. Letztendlich entscheidet dann der Arzt, ob er das todbringende Medikament verschreibt – vorausgesetzt, er ist „von der Dauerhaftigkeit und inneren Festigkeit des Sterbewunsches" überzeugt.

Einen anderen Ansatz wählen die beiden Grünen-Politikerinnen Renate Künast und Katja Keul in ihrem „Entwurf eines Gesetzes zum Schutz des Rechts auf selbstbestimmtes Sterben". Sie differenzieren darin zwischen Menschen, die den Tod aufgrund einer schweren Krankheit anstreben und solchen, die aus anderen Gründen sterben wollen.

In medizinischen Notlagen, die mit „schweren Leiden, insbesondere starken Schmerzen" verbunden sind, sollen Ärzte Medikamente zur Selbsttötung verschreiben dürfen – sofern sie davon überzeugt sind, dass der Sterbewillige eine vom freien Willen getragene, feste Entscheidung getroffen hat. Als Absicherungen sind unter anderem eine ärztliche Beratung, eine zweiwöchige Wartefrist, das Vier-Augen-Prinzip sowie eine Dokumentationspflicht vorgesehen.

Künast und Keul räumen ein, dass es „dem Selbstbild überwiegender Teile der Ärzteschaft eher fremd sein" dürfe, bei einer Tötung Hilfe zu leisten, „die nicht in einer Krankheit eines Patienten wurzelt". Faktisch könne diese Variante „ins Leere“ laufen, „weil die Ärzteschaft aus nachvollziehbaren Gründen nicht mitwirken will." Schon aus diesem Grund scheide auch eine Regelung der Gesamtproblematik im ärztlichen Berufsrecht aus.

Einen restriktiveren Weg wählt eine Abgeordnetengruppe, der unter anderem Ansgar Heveling (CDU), Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) und der ehemalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) angehören. Nach ihrem Eckpunktepapier sollte die Selbstbestimmung durch umfassende Beratung und Begutachtung sichergestellt und mit Präventionsangeboten flankiert sein. Die „geschäftsmäßige Suizidhilfe“ soll erneut grundsätzlich strafbar, unter bestimmten Voraussetzungen aber „nicht unrechtmäßig“ sein. Das soll verhindern, dass der frei verantwortete Suizid und die Inanspruchnahme der Hilfe Dritter faktisch unmöglich werden, so die Autoren des Eckpunktepapiers.

Um festzustellen, ob die Entscheidung zum Suizid tatsächlich frei getroffen wurde, sollen mindestens zwei fachärztliche Untersuchungen mit hinreichendem Abstand notwendig sein. Hinzu komme eine Beratung über individuelle Hilfsangebote. Eine Suizidhilfe für Minderjährige schließt der Entwurf ebenso so aus wie einen Anspruch auf Hilfeleistung bei der Selbsttötung gegenüber Ärzten oder staatlichen Stellen. Ärzte dürften Sterbewilligen jedoch helfen, wenn sie das mit ihrem Gewissen und ihrem beruflichen Ethos vereinbaren können.

Das individuelle Selbstbestimmungsrecht steht im Mittelpunkt des „Diskussionsentwurfs“ aus dem Haus von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der Entwurf sieht ein „abgestuftes Schutzkonzept“ vor. Damit soll sichergestellt werden, dass die zur Selbsttötung entschlossene Person selbstbestimmt entschieden hat und sich nicht in der Lebenskrise befindet oder psychisch krank ist. Vorgesehen ist ein grundsätzliches strafrechtliches Verbot der Hilfe zur Selbsttötung. Angehörige und dem Suizidwilligen nahestehende Personen blieben jedoch straffrei. Ausnahmsweise straflos soll die Hilfe zudem dann sein, wenn das abgestufte Schutzkonzept eingehalten wird. Dazu soll das Betäubungsmittelgesetz geändert werden.

Die Aufklärung, Beratung und die Feststellung von Erkrankungen soll durch zwei unabhängige Ärzte erfolgen, die jedoch keine Hilfe zum Suizid leisten dürfen. Geplant ist, die Details in einem „Selbsttötungshilfegesetz“ zu regeln.

 

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news-2886 Tue, 15 Jun 2021 10:20:00 +0200 Unvergessen: Zum Tod von Dr. Heidrun Gitter https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=2886&cHash=43b7605eb348dd0659592b757be9bd64 Nach schwerer Krankheit und dennoch überraschend ist Dr. Heidrun Gitter, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, am 15. März 2021 gestorben. Sie wurde 60 Jahre alt. „Die Ärzteschaft in Deutschland trauert um eine sehr liebenswürdige Kollegin und leidenschaftliche Kämpferin für ein patientengerechtes Gesundheitswesen“, sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Nach schwerer Krankheit und dennoch überraschend ist Dr. Heidrun Gitter, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, am 15. März 2021 gestorben. Sie wurde 60 Jahre alt. „Die Ärzteschaft in Deutschland trauert um eine sehr liebenswürdige Kollegin und leidenschaftliche Kämpferin für ein patientengerechtes Gesundheitswesen“, sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

Gitter habe sich für die dafür notwendigen humanen ärztlichen Arbeitsbedingungen mit größtem persönlichem Engagement in den Gremien der Selbstverwaltung wie auch gegenüber den politischen Institutionen eingesetzt. „Dieser stets beherzte berufspolitische Einsatz hat ihr die verdiente Anerkennung weit über ihren Berufsstand hinaus zu Teil werden lassen. Heidrun Gitter ist viel zu früh von uns gegangen. Wir werden ihr immer ein ehrendes Andenken bewahren“, sagte Reinhardt.

Mit Heidrun Gitter verliere man eine Persönlichkeit, die stets mit größtem persönlichem Einsatz, hohem Sachverstand, viel Optimismus und einer großen Portion Humor die Belange der Ärzteschaft vertreten habe, hieß es von der Ärztekammer Bremen, deren Präsidentin sie seit 2012 gewesen war.

Als Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Bremer Kammerpräsidentin hat sich Gitter unentwegt für humane Arbeitszeiten und die Akzeptanz von Teilzeitmodellen stark gemacht. Sie war eine Kritikerin überbordender Bürokratie und warb stets für die ärztliche Freiberuflichkeit.

Besonders engagierte sich Gitter für die ärztliche Weiterbildung. Ihr Ziel war eine zeitlich realistische, aber dennoch anspruchsvolle Weiterbildung. Stets ermutigte sie junge Ärzte, ärztliche Haltung zu zeigen und sich gegen die Auswirkungen eines mehr und mehr kommerzialisierten Gesundheitswesens zu stellen.

Heidrun Gitter wurde am 16. Oktober 1960 in Bremen geboren. Von 1978 bis 1984 studierte sie Human­medizin und Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln sowie der Wayne State Medical School im US-amerikanischen Detroit.

1986 promovierte sie in Köln. Im gleichen Jahr nahm sie ihre Arbeit als Ärztin an der Kinderchirurgischen Klinik des Zentralkrankenhauses St.-Jürgen-Str. in Bremen auf, bevor sie 1989 nach Wiesbaden zur Chirurgischen und Unfallchirurgischen Klinik der Dr. Horst-Schmidt-Kliniken wechselte.

1993 erhielt sie ihre Anerkennung als Ärztin für Chirurgie und kehrte zur Kinderchirurgischen Klinik des Zentralkrankenhauses St.-Jürgen-Str. in Bremen zurück. Seit 1996 war Heidrun Gitter Oberärztin, seit 2004 leitende Oberärztin der Klinik für Kinderchirurgie und -urologie am Klinikum Bremen-Mitte. Ihre Anerkennung als Ärztin für Kinderchirurgie erhielt sie im Jahr 1999.

Daneben engagierte sich Heidrun Gitter leidenschaftlich in der Berufspolitik. So war sie seit 1996 Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Bremen und gehörte seit dem Jahr 2000 dem Vorstand der Ärztekammer Bremen an. Im Januar 2008 wurde sie zur Vizepräsidentin und vier Jahre später zur Präsidentin der Ärztekammer Bremen gewählt. Im Mai 2019 wählten die Abgeordneten des 122. Deutschen Ärztetages in Münster Heidrun Gitter zur Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.

Dem Bundesvorstand des Marburger Bundes gehörte sie insgesamt 12 Jahre an, von 1992 bis 2001 und von 2004 bis 2007. Von 1996 bis 2018 stand sie dem Landesverband Bremen des Marburger Bundes vor.

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news-2887 Tue, 15 Jun 2021 11:29:00 +0200 Infofilm zum Umgang mit HIV/Aids im Praxisalltag https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=2887&cHash=c07e131afccf25021b86104c4546405e Gemeinsam mit der Deutschen Aidshilfe und dem Verband Medizinischer Fachberufe will die Bundesärztekammer Ängste und Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV/Aids abbauen. Ein Infofilm soll Praxisteams unterstützen, damit Patientinnen und Patienten mit HIV/Aids eine gute und vertrauensvolle Behandlung bekommen. Gemeinsam mit der Deutschen Aidshilfe und dem Verband Medizinischer Fachberufe will die Bundesärztekammer Ängste und Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV/Aids abbauen. Ein Infofilm soll Praxisteams unterstützen, damit Patientinnen und Patienten mit HIV/Aids eine gute und vertrauensvolle Behandlung bekommen.

Der knapp über zweiminütige Informationsfilm für medizinisches Personal widmet sich zunächst drei Fakten zu HIV. So wird erklärt, dass die Krankheit heutzutage gut behandelbar ist. Auch besteht im Alltag keine Ansteckungsgefahr – beispielsweise beim Händeschütteln, bei der Berührung von Flächen oder bei der gemeinsamen Nutzung von Toiletten. Und dank der antiretroviralen Therapie wird HIV selbst beim Sex ohne Kondom nicht mehr übertragen.

Der Kurzfilm klärt weiter darüber auf, welche Schutzmaßnahmen im Berufsalltag beim Kontakt mit Blut und Sekreten oder in Situationen, in denen mit Spritzern zu rechnen ist, notwendig sind. Auch die Versorgung von Stich- oder Schnittverletzungen, die durch kontaminiertes Material herbeigeführt wurden, wird erläutert. So soll der Blutfluss nicht unterbunden, die Wunde desinfiziert und die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt kontaktiert werden. Diese können eine Postexpositionsprophylaxe verschreiben, die das Risiko einer Ansteckung noch einmal minimiert.

Ergänzend appelliert der Film an einen respektvollen und professionellen Umgang mit Menschen mit HIV – also einen vertraulichen Umgang mit Daten, eine vorurteilsfreie Haltung und eine offene Kommunikation mit den Betroffenen. Ein respekt- und vertrauensvoller Umgang ohne Diskriminierung trägt dazu bei, dass sich Menschen testen und behandeln lassen.

Bereits im Dezember 2020 hatten Deutsche Aidshilfe und BÄK eine Broschüre „Informationen zu HIV für die medizinische Praxis“ herausgegeben, die medizinisches Personal bei einer fachgerechten und diskriminierungsfreien Versorgung unterstützen soll.

 

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news-3036 Tue, 15 Jun 2021 11:40:00 +0200 BÄK fordert gesetzliche Regelungen im Kampf gegen kindliches Übergewicht https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3036&cHash=825efbd8e9208fe316300a5ad14d6da6 Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland sind zu dick: 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind übergewichtig; 5,9 Prozent von ihnen sogar adipös. Mit Sorge blickt die Bundesärztekammer (BÄK) auf diese Entwicklung und mahnt in ihrem aktuellen Positionspapier zur Prävention des kindlichen Übergewichts nachdrücklich entsprechende Prävention- und Reduktionsmaßnahmen an. Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland sind zu dick: 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind übergewichtig; 5,9 Prozent von ihnen sogar adipös. Mit Sorge blickt die Bundesärztekammer (BÄK) auf diese Entwicklung und mahnt in ihrem aktuellen Positionspapier zur Prävention des kindlichen Übergewichts nachdrücklich entsprechende Prävention- und Reduktionsmaßnahmen an.

Die genannten Zahlen sind ein Ergebnis der zweiten Welle der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) 2013 bis 2016. Die Daten wurden im Rahmen einer Langzeitstudie des Robert Koch-Institut (RKI) erhoben.

Seit der Basiserhebung der KiGGS-Studie von 2003 bis 2007 verharrt das kindliche Gewicht auf diesem beunruhigend hohen Niveau. Dabei ist zu beobachten, dass das Gewicht auch von der sozioökonomischen Lage der jeweiligen Familie abhängt. Hinzu kommt ein überhöhter Zuckerkonsum bei Kindern und Jugendlichen. So überschreitet deren Zuckeraufnahme der aktuellen EsKiMo II-Studie zufolge mit etwa 20 Prozent bei Weitem den täglichen Energiebedarf, den die Weltgesundheitsorganisation und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen. Bewegungsmangel verstärkt die Situation: Nur etwa ein Viertel der Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und 17 Jahren bewegen sich ausreichend.

Die gesundheitlichen Folgen können weitreichend sein: Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsarmut erhöhen das Risiko von Kindern und Jugendliche maßgeblich, im Laufe ihres Lebens vorzeitig an Diabetes mellitus Typ II, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, einem metabolischen Syndrom oder einer Beeinträchtigung des Stütz- und Bewegungsapparates zu erkranken.

Ärztinnen und Ärzte sind tagtäglich mit den Auswirkungen dieser Entwicklung konfrontiert. Ihre Möglichkeiten im beruflichen Alltag sind allerdings begrenzt, den Ursachen von Übergewicht und Bewegungsarmut wirksam und auf Bevölkerungsebene entgegen zu treten.

Die Bundesärztekammer fordert deshalb strukturelle und gesetzgeberische Maßnahmen zur Prävention und Reduktion des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass eine preiswirksame Besteuerung von Getränken, denen Zucker zugesetzt ist, einen positiven Einfluss auf die Gesamtzuckeraufnahme hat. Effekte auf das Ernährungsverhalten sind auch durch eine leicht verständliche verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln sowie ein Werbeverbot für ungesunde Nahrungsmittel festzustellen, die sich an Kinder richtet.

Darüber hinaus spricht sich die Bundesärztekammer dafür aus, dass die in Kindertagesstätten und Schulen angebotenen Speisen allgemein anerkannten Ernährungsstandards entsprechen. Auch sollte die Ernährungskompetenz von Kindern und Jugendlichen durch Schulunterricht sowie ein mehrmonatiges Stillen zur Adipositasprävention intensiv gefördert werden. Kindertagesstätten und Schulen sollten sicherstellen, dass Kindern und Jugendlichen ein täglicher Bewegungsumfang entsprechend den nationalen und internationalen Bewegungsempfehlungen ermöglicht wird und Kommunen auf öffentlichen Grünflächen/Spielplätzen niedrigschwellige bewegungsfördernde Spiel- und Sportgeräte/-mobiliar installieren.

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news-3058 Tue, 15 Jun 2021 11:50:00 +0200 Pandemierat: Antigen-Schnelltest als Teil eines Maßnahmenbündels durchaus wirksam https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3058&cHash=81fcb259cf4cfbb203e20d3a690cb069 Ob im Testzentrum oder zuhause: Durch regelmäßiges Testen mit Antigen-Schnelltests bestehen gute Chancen, Corona-Infektionen nachzuweisen. Zwar stellen diese lediglich Momentaufnahmen dar, sie können aber einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten. Zu dieser Einschätzung kommt die Arbeitsgruppe „Teststrategie“ des Ärztlichen Pandemierats der Bundesärztekammer in einem aktuellen Statement. Ob im Testzentrum oder zuhause: Durch regelmäßiges Testen mit Antigen-Schnelltests bestehen gute Chancen, Corona-Infektionen nachzuweisen. Zwar stellen diese lediglich Momentaufnahmen dar, sie können aber einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten.  Zu dieser Einschätzung kommt die Arbeitsgruppe „Teststrategie“ des Ärztlichen Pandemierats der Bundesärztekammer in einem aktuellen Statement. Darin betonen die Autoren allerdings auch, dass die Tests immer eine konkrete Betrachtung des jeweiligen Anwendungsfalles erfordern. Auch wirkten Schnelltests nur als Teil eines Maßnahmenbündels bei Hygiene und Infektionsschutz.

„Für den Einzelnen bedeutet das, sich an die bekannten Hygieneregeln zu halten, für Einrichtungen steht dahinter die Erstellung eines einrichtungsspezifischen Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes unter Berücksichtigung von Arbeitsschutz- und Datenschutzerfordernissen“, erklärt Dr. Michael Müller, Vorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) und einer der Autoren des Statements „Nutzen und Grenzen von SARS-CoV-2-Antigen-Tests zur Anwendung vor Ort oder Selbstanwendung“.

Ist dies der Fall, können Antigen-Schnelltests Schutz- und Hygienekonzepte in Schulen, Kitas, Betrieben und medizinischen Einrichtungen ergänzen, so die Arbeitsgruppe des Ärztlichen Pandemierats der Bundesärztekammer (BÄK). Die Tests ermöglichen eine bessere Einschätzung des lokalen Infektionsgeschehens – vorausgesetzt, mindestens 80 Prozent der anwesenden Personen beteiligen sich an der Testung und das mindestens zweimal wöchentlich.

„Werden feste Gruppen zweimal in der Woche getestet, hat man eine gute Chance, das Fenster zu erwischen, in dem der Antigen-Schnelltest bei einem Infizierten positiv ausschlägt“, erklärt die Frankfurter Virologin Prof. Dr. Sandra Ciesek, die als Vertreterin der Gesellschaft für Virologie (GfV) an dem Statement beteiligt war.

Schnelltests als Momentaufnahme

Allerdings weisen die Autoren auch darauf hin, dass die Antigen-Schnelltests auf SARS-CoV-2 Limitationen aufweisen: „Einzeltestungen, ob in Kita, Schule, Betrieb oder auch als Bürgertest stellen immer nur eine ‚Momentaufnahme‘ mit einer sehr kurzen Gültigkeitsdauer von einigen Stunden dar“, so Müller. Sie dürften deshalb keinesfalls als eine Art Freifahrtschein angesehen werden: Die bekannten Hygiene- und Infektionsschutzmaßmaßnahmen wie die Reduktion von Kontakten, Einhalten der AHA+L-Regeln und die Nutzung der Corona Warn-App seien auch bei negativem Testbefund unbedingt fortzusetzen.

Werden die Tests von primär nicht sach- und fachkundigem Personal durchgeführt, müsse deren ausreichende Schulung sichergestellt werden, so die Arbeitsgruppe „Teststrategie“ weiter. Nur so lasse sich sicherstellen, dass sowohl die zu testenden Personen als auch das Personal bei der Probengewinnung und Testinterpretation geschützt sind und der Test korrekt durchgeführt wird.

Bei der Testung größerer Personengruppen weisen die Autoren des Statements darauf hin, dass dies eine gute Organisation erfordere. „Die Bildung von Gruppen im Wartebereich muss vermieden werden, zudem sollte auf die Einhaltung des Abstandsgebots und ausreichende Desinfektions- und Hygienemaßnahmen geachtet werden“, so Müller.

Laientests: Eigenverantwortliches Handeln erforderlich

Kommen Antigen-Schnelltests in Eigenanwendung – sogenannte Laientests – zum Einsatz bringt dies zusätzliche Erfordernisse an das eigenverantwortliche Handeln jeder einzelnen Person mit sich. Fällt der Antigen-Schnelltest positiv aus, muss das Ergebnis sofort mit einer PCR-Nachtestung bestätigt werden. Abhängig vom verwendeten Antigen-Schnelltest sei nämlich mit einer signifikanten Zahl von 30 bis 50 Prozent falsch-positiver Befunde zu rechnen.

„Es steht dann in der Verantwortung des Einzelnen, sich bei einem positiven Testbefund umgehend um einen PCR-Test zu bemühen, sich zu isolieren und Kontakte über die mögliche Ansteckungsgefahr zu informieren“, sagt Müller.

Auch die Sorgfalt bei der Durchführung des Tests liegt in der Hand des Anwenders: „Damit der Einsatz von Antigen-Schnelltests Sinn ergibt, ist die Durchführung wie vorgeschrieben, etwa das Einhalten der Ablesezeit, unbedingte Voraussetzung“, so Ciesek.

Nach Ansicht des Pandemierates bedürfe es für eine korrekte Durchführung der Tests leicht verständliche Anleitungen und niedrigschwellig erreichbare Informationsangebote etwa auf Online-Plattformen, über eine Hotline oder Plakate.

 

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news-3059 Tue, 15 Jun 2021 12:00:00 +0200 Notfallversorgung an Patientenbedarfen und regionalen Strukturen orientieren https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3059&cHash=784aa40ba9d3b9c3b6488fcff6d1bbe8 Die Bundesärztekammer (BÄK) unterstützt ausdrücklich die Konzepte für eine patientengerechte Reform der Notfallversorgung, die sich an den Bedarfen und Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten. Maßgeblich dabei sei, die Menschen gezielt zu informieren, „an wen sie sich bei einem medizinischen Notfall oder einem akuten Behandlungsbedarf wenden können“, und klare und verständliche Strukturen zu schaffen, betont die BÄK in ihrer Stellungnahme zu Anträgen der Bundestagsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen und FDP zur Notfallversorgung aus den Jahren 2018 und 2019. Eine Anhörung zu den Anträgen fand am 9. Juni 2021 vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestags statt. Die Bundesärztekammer (BÄK) unterstützt ausdrücklich die Konzepte für eine patientengerechte Reform der Notfallversorgung, die sich an den Bedarfen und Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten. Maßgeblich dabei sei, die Menschen gezielt zu informieren, „an wen sie sich bei einem medizinischen Notfall oder einem akuten Behandlungsbedarf wenden können“, und klare und verständliche Strukturen zu schaffen, betont die BÄK in ihrer Stellungnahme zu Anträgen der Bundestagsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen und FDP zur Notfallversorgung aus den Jahren 2018 und 2019. Eine Anhörung zu den Anträgen fand am 9. Juni 2021 vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestags statt.

Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt hat automatisierte Ersteinschätzungsverfahren als „unangebracht“ bezeichnet. Diese würden einem qualitätsorientierten Gesundheitswesen nicht gerecht. Solche Instrumente könnten allenfalls unterstützend eingesetzt werden.

Die aktuelle Situation der Notfallversorgung sei häufig durch „nicht passgenaue“ Inanspruchnahme gekennzeichnet. Aus seiner Sicht sei es deshalb folgerichtig, diesen Versorgungsbereich neu zu organisieren, sagte Reinhardt bei der Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Bundestages. Wichtig sei es, Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen klar zu regeln. Zugleich müsse sichergestellt sein, dass Patientinnen und Patienten angemessen versorgt werden.

Auch das Bestreben, bewährte regionale Regelungsmodelle zu berücksichtigen und auf die etablierten Kooperationsstrukturen von Krankenhäusern und Notdienstpraxen zurückzugreifen, unterstützt die Bundesärztekammer ausdrücklich. Die Entscheidung über sinnvolle Standorte von Notdienstpraxen sollte dabei weitgehend den Akteuren vor Ort überlassen werden. Um regionalen Erfordernissen gerecht zu werden, sollten Bedarf und Ansiedlung der vertragsärztlichen Versorgung an Krankenhäusern sowie Mindestvorgaben für die Strukturqualität vor allem auf regionaler Ebene festgelegt werden, bekräftigt die Bundesärztekammer.

Qualitätsvorgaben für die ambulante Notfallversorgung seien grundsätzlich sinnvoll. Doch sollten bundesweite Planungsvorgaben auf ein Minimum an Strukturmerkmalen beschränkt sein, um erfolgreiche Aktivitäten auf regionaler Ebene nicht zum Stillstand zu bringen. Auch sollten sie nicht „in ein Korsett“ gepresst werden, dass der Versorgung vor Ort nicht gerecht wird.

Patientengerechte Notfallversorgung angemessen finanzieren

Dringenden Reformbedarf sieht die Bundesärztekammer bei der Finanzierung von Notfallleistungen. Dabei sei anzuerkennen, dass viele Patientinnen und Patienten oftmals bis zum Ende der Notfallbehandlung nicht in „ambulant“ oder „stationär“ unterteilt werden können. Neben den akut lebensrettenden Maßnahmen diene die Notfallbehandlung vor allem auch dazu, die Ursache von Beschwerden abzuklären. Dabei kann ein Einsatz von personellen und technischen Ressourcen des Krankenhauses auch bei Patienten erforderlich sein, bei denen sich Verdachtsdiagnosen nicht bestätigen und die letztendlich ambulant weiterbehandelt werden.

Die BÄK weist zudem auf die fehlenden Versorgungsmöglichkeiten im psychosozialen und pflegerischen Bereich im Anschluss an eine Notfallbehandlung hin. Für die Versorgung geriatrischer und psychiatrischer Notfälle müsse in den Blick genommen werden, dass nach der Notfallversorgung auf kurzfristige, rein pflegerische Versorgungsmöglichkeiten, wie etwa eine Kurzzeitpflege, zugegriffen werden kann. Auch sollte ein Sozialdienst in die Notfallstrukturen eingebunden sein, der insbesondere die weitere Versorgung von Menschen ohne medizinischen Versorgungsbedarf organisiert.

Notfallmedizin zeichnet sich durch Interdisziplinarität aus

Darüber hinaus handele es sich bei der Notfallversorgung um eine Querschnittsaufgabe, die typischerweise über eine Zusatz-Weiterbildung abgebildet wird und mehreren Facharztspezialisierungen offensteht und stehen muss, bspw. die neu eingeführte Zusatzqualifikation Klinische Akut- und Notfallmedizin, bekräftigt die Bundesärztekammer bezüglich der Forderung, einen Facharzt für Notfallmedizin einzuführen.

Interdisziplinarität sei ein wesentliches Merkmal der Notfallmedizin und erfordere eine hohe fachliche Spezialisierung in den konservativen und auch operativen Fächern. Aus Sicht der Bundesärztekammer könne eine eigenständige Facharztentität im Bereich der Notfallmedizin dies nicht ersetzen.

Der Forderung nach einer zeitweisen Tätigkeit in einer Notfallpraxis als verpflichtender Teil der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin hält die BÄK entgegen, dass Allgemeinmediziner vorrangig in der ambulanten Versorgung tätig und in der Regel erster Ansprechpartner der Patienten seien. Zudem seien die Patientengruppen und Behandlungsfälle vielfältig. Die Ausgestaltung der Facharzt-Weiterbildung orientiere sich an dieser Ausrichtung und befähige auch zu einer Erst- bzw. Akutbehandlung im ambulanten Bereich.

Auf Basis ihrer Weiterbildung seien Allgemeinmediziner – neben der eigenen Praxis oder der Tätigkeit in einem MVZ – daher erfolgreich in Bereitschaftspraxen, im mobilen Bereitschaftsdienst oder in Notfallpraxen an Kliniken tätig. Folglich sei nicht ersichtlich, dass die derzeitige Weiterbildung in der Allgemeinmedizin nicht zu einer qualifizierten Akutversorgung befähigt.

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news-3060 Tue, 15 Jun 2021 12:05:00 +0200 Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie kommt https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3060&cHash=9aada848fef8002bb6220704fd8637ab Als weitere klinische Facharztkompetenz im Gebiet Innere Medizin wird die Facharzt-Weiterbildung „Innere Medizin und Infektiologie“ neu in die (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) 2018 eingeführt. Das hat der 124. Deutsche Ärztetag beschlossen. Als weitere klinische Facharztkompetenz im Gebiet Innere Medizin wird die Facharzt-Weiterbildung „Innere Medizin und Infektiologie“ neu in die (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) 2018 eingeführt. Das hat der 124. Deutsche Ärztetag beschlossen.

Ziel ist, die Versorgungsqualität im Bereich Infektiologie zu verbessern. Die Bedeutung von Infektionskrankheiten für Medizin und Gesellschaft wurde durch die aktuelle Covid-19-Pandemie besonders verdeutlicht. Die gestiegenen Anforderungen an die infektiologische Expertise erfordern eine spezialisierte Weiterbildung, die über die Inhalte deutlich hinausgehen, die bereits mit der Novelle der MWBO 2018 für alle Gebiete der unmittelbaren Patientenversorgung geöffneten, einjährigen Zusatz-Weiterbildung Infektiologie bestehen. Der neue Facharzt soll eine wichtige Funktion in der Behandlung schwerer und komplikativ verlaufender Infektionskrankheiten, in der Konsiliartätigkeit und bei der Beratung von Entscheidungsträgern wahrnehmen. Die Tätigkeit ersetzt dabei nicht die fachspezifische infektiologische Behandlung in den Organfächern.

Die Facharzt-Weiterbildung war zuvor intensiv mit involvierten Fachgesellschaften und Berufsverbänden sowie in den Gremien der Bundesärztekammer diskutiert worden. Zusammen mit den Gebieten „Hygiene und Umweltmedizin“ und „Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie“ sowie der Zusatz-Weiterbildung „Infektiologie“ ist infektiologisches Wissen nun in der Breite und Tiefe in der MWBO verankert.

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news-3061 Tue, 15 Jun 2021 12:15:00 +0200 Reform der Approbationsordnung, ja – Zeitpunkt offen https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3061&cHash=48f967748dacaeee223579150770661d Wer in Deutschland als Ärztin oder Arzt tätig sein will, benötigt eine Approbation. Geregelt sind die Voraussetzungen dafür – inklusive der Vorgaben für das Medizinstudium – in der aktuell gültigen Approbationsordnung aus dem Jahr 2002. Für die dringend erforderliche Reform der ärztlichen Ausbildung hatte die Bundesregierung im November 2020 einen entsprechenden Referentenentwurf vorgelegt; die Finalisierung der Kabinettsvorlage aber verzögert sich. Der Bundesrat diskutiert die finanziellen Folgen der Reform. Bundesärztekammer und 124. Deutsche Ärztetag halten eine zügige Umsetzung der Reform noch in dieser Legislaturperiode für dringend geboten, um das Medizinstudium zu modernisieren und praxistauglich zu gestalten. Wer in Deutschland als Ärztin oder Arzt tätig sein will, benötigt eine Approbation. Geregelt sind die Voraussetzungen dafür – inklusive der Vorgaben für das Medizinstudium – in der aktuell gültigen Approbationsordnung aus dem Jahr 2002. Für die dringend erforderliche Reform der ärztlichen Ausbildung hatte die Bundesregierung im November 2020 einen entsprechenden Referentenentwurf vorgelegt; die Finalisierung der Kabinettsvorlage aber verzögert sich. Der Bundesrat diskutiert die finanziellen Folgen der Reform. Bundesärztekammer und 124. Deutsche Ärztetag halten eine zügige Umsetzung der Reform noch in dieser Legislaturperiode für dringend geboten, um das Medizinstudium zu modernisieren und praxistauglich zu gestalten.

Der 124. Deutsche Ärztetag hat die Bundesregierung und den Bundesrat Anfang Mai 2021 aufgefordert, die Novellierung der Ärztlichen Approbationsordnung schnellstmöglich zu beschließen. An dem seit November 2020 vorliegenden Referentenentwurf zur Neureglung der Ärztlichen Approbationsordnung bestehe zwar Nachbesserungsbedarf. Die Novelle sei dennoch ein „wegweisender Entwicklungsschritt“ für die ärztliche Ausbildung, so der Ärztetag. Bund und Länder müssten nun zügig ein Finanzierungskonzept für die Reform vorlegen. Sparmaßnahmen dürften nicht zu Lasten der medizinischen Ausbildung beziehungsweise des ärztlichen Nachwuchses gehen.

Wenige Tage später befasste sich der Bundesrat mit der geplanten Novelle der ärztlichen Ausbildung. In einer Entschließung fordern die Länder ein Mitspracherecht bei der Reform. Dabei geht es insbesondere um den zusätzlichen Personal- und Betreuungsaufwand, der berücksichtigt werden müsse. Darüber hinaus wird die Bundesregierung aufgefordert, den Erfüllungsaufwand für „eine angemessene Finanzierung der Lehrpraxen abzubilden“, heißt es in der Entschließung. Für ein gutes Gelingen der Reform sei zudem unerlässlich, den Normenkontrollrat angemessen zu beteiligen. Basierend auf der Kostenschätzung erwarten die Länder schließlich von der Bundesregierung „unverzüglich konkrete und zielorientierte Gespräche“ über eine „faire Kostenteilung“.

Die Entschließung wurde der Bundesregierung zugeleitet. Feste Fristvorgaben gibt es jedoch nicht, bis wann sie sich mit den Forderungen des Bundesrates befasst haben muss.

Theorie und Praxis bei Arztausbildung verzahnen

Die Bundesärztekammer (BÄK) begrüßt das Vorhaben des Gesetzgebers grundsätzlich, die Approbationsordnung an verschiedenen Stellen grundlegend zu ändern und neue Aspekte in diese aufzunehmen. In ihrer Stellungnahme zum Referentenentwurf zur Änderung der Approbationsordnung für Ärztinnen und Ärzte (ÄApprO) hebt sie positiv hervor, dass viele der diskutierten Themen des Arbeitsentwurfs im vorgelegten Papier konstruktiv umgesetzt und abgeändert worden seien.

So befürwortet die BÄK ausdrücklich die Beschreibung des Ausbildungsziels. Dieses werde deutlich stärker ausdifferenziert. Auch sei geplant, viele für das ärztliche Handeln relevante Gesichtspunkte in das Medizinstudium zu integrieren, wie etwa palliativmedizinische Versorgung, Nachsorge, Gewährleistung der Patientensicherheit und Fragen des Kinderschutzes. Das gelte auch für die Allgemeinmedizin, die umfassend berücksichtigt und gestärkt werden soll – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie.

Zudem seien die Möglichkeit digitaler Lehrformate und das longitudinale Aufgreifen des Themas Datennutzung und digitale Anwendung als Ausbildungsinhalt positiv zu betonen – vor allem durch die verbindliche Verankerung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) als Kerncurriculum des Medizinstudiums.

Ebenso unterstützt die BÄK die Verknüpfung von grundlagenwissenschaftlichen und klinischen Inhalten während der gesamten Ausbildung im Rahmen eines Z-Curriculums. Damit werde die Maßnahme 14 des „Masterplans Medizinstudium 2020“ umgesetzt. Eine Verzahnung von theoretischen und klinischen Studieninhalten während der gesamten Ausbildung sei auch deshalb positiv zu bewerten, da damit Teilstudienplätze künftig der Vergangenheit angehören. Positiv angemerkt wird in der Stellungnahme auch, dass die Wissenschaftlichkeit im Studium unter anderem durch die Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit gestärkt werden soll.

BÄK warnt vor Überfrachtung des Medizinstudiums

Mit Sorge nimmt die Bundesärztekammer allerdings die Ausbildungsverdichtung im Studium zur Kenntnis. So würden die Mindeststunden des patientennahen Unterrichts umfänglich erhöht und neue Veranstaltungen, wie der Unterricht an Simulationspatienten, verpflichtend eingeführt. Die angedachten Neuerungen im Prüfungsprocedere – vor allem die Parcoursprüfungen – seien organisatorisch, personell und finanziell enorm aufwendig. „Es scheint fraglich, ob hier Aufwand und Nutzen im Verhältnis stehen“, heißt es in der BÄK-Stellungnahme. Insgesamt sollte die Ausbildung inhaltlich nicht überfrachtet werden. Mitunter müssten Inhalte herausgenommen oder gekürzt werden.

Kritisch sieht die BÄK auch die detaillierten inhaltlichen Vorgaben im Referentenentwurf. Diese seien vor allem mit Blick auf die dynamische Entwicklung des medizinischen Wissenstandes zu weitreichend formuliert. Diesbezüglich weist die BÄK auf den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) hin, der fortlaufend weiterentwickelt werde und als verbindlich verankertes Kerncurriculum flexibler auf neu erworbene Erkenntnisse der Medizin reagieren könne.

Darüber hinaus merkt die BÄK an, dass einige wichtige Aspekte im Referentenentwurf nicht berücksichtigt sind, wie zum Beispiel die seit vielen Jahren von der verfassten Ärzteschaft geforderte Aufwandsentschädigung für die Arbeit, die Studierende im Praktischen Jahr (PJ) leisten. Diesbezüglich gebe es dringenden Änderungs- bzw. Ergänzungsbedarf, bekräftigt die BÄK.

Die im Referentenentwurf deutlich veränderte Innovationsklausel birgt aus Sicht der Bundesärztekammer Chancen für zukunftsgewandte Konzepte, vor allem für die vertiefte Verzahnung der Studiengänge Human- und Zahnmedizin. Bei der geforderten Verknüpfung von wesentlichen Teilen der jeweiligen Curricula von deutschen und internationalen Universitäten bzw. weiteren Studiengängen sollten Mindeststandards der gemeinsamen Ausbildung verankert werden.

Umsetzung offen

Ob die neue Approbationsordnung noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht wird, ist offen. Das Bundesgesundheitsministerium wies darauf hin, dass der Verordnungsentwurf anhand der eingegangenen Stellungnahmen weiterentwickelt werde. „Insbesondere aufgrund der Bearbeitung von Vorhaben im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Pandemie haben sich die Auswertung der Stellungnahmen und das weitere Verfahren jedoch verzögert“, so das BMG.

Dem Vernehmen nach peilt die Bundesregierung eine Verabschiedung im September an. Zumindest ein Teil der Reform – die Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in der ärztlichen Ausbildung – soll nun aber vorgezogen werden. Eine entsprechende Passage findet sich in dem Mitte Juni vorgelegten Referentenentwurf einer Verordnung zur Änderung der Approbationsordnung für Zahnärzte und Zahnärztinnen, für Ärzte und für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. So sollen u.a. das öffentliche Gesundheitswesen und bevölkerungsmedizinische Inhalte in das Ausbildungsziel und die Prüfungsinhalte der Approbationsordnung für Ärzte aufgenommen werden. Es soll klargestellt werden, dass die Famulatur und das Praktische Jahr auch in Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens abgeleistet werden können. Das öffentliche Gesundheitswesen soll zudem ein eigenes Fach in der Approbationsordnung werden.

 

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news-3062 Tue, 15 Jun 2021 12:25:00 +0200 Weiterbildung: Kompetenzen im Fokus https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3062&cHash=d240f955803e0d37d11c30ef1b928ef5 „Das neue Weiterbildungssystem ist ein lebendiges und lernendes System“. Das betonten Prof. Dr. Henrik Herrmann, Co-Vorsitzender der Ständigen Konferenz (StäKo) „Ärztliche Weiterbildung“ der Bundesärztekammer und Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, und Dr. Johannes Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und ebenfalls StäKo-Vorsitzender, auf dem 124. Deutschen Ärztetag. In einem neuen Dialog-Format präsentierten sie die Neuerungen der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) 2018, die offen und flexibel gestaltet ist. Auch beschloss der Ärztetag erste Änderungen und Anpassungen. „Das neue Weiterbildungssystem ist ein lebendiges und lernendes System“. Das betonten Prof. Dr. Henrik Herrmann, Co-Vorsitzender der Ständigen Konferenz (StäKo) „Ärztliche Weiterbildung“ der Bundesärztekammer und Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, und Dr. Johannes Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und ebenfalls StäKo-Vorsitzender, auf dem 124. Deutschen Ärztetag. In einem neuen Dialog-Format präsentierten sie die Neuerungen der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) 2018, die offen und flexibel gestaltet ist. Auch beschloss der Ärztetag erste Änderungen und Anpassungen.

Zu den Änderungen gehören unter anderem die Aufnahme der „Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit“ in die Allgemeinen Inhalte der Weiterbildung, die für alle Facharzt- und Schwerpunkt-Weiterbildungen gelten. „Die Allgemeinen Inhalte müssen ebenso nachgewiesen werden wie fachspezifische Inhalte, denn sie definieren unser gesamtes ärztliches Berufsbild“, erklärte Gehle. Zudem erfolgten Anpassungen an verschiedenen Zusatz-Weiterbildungen.

Bereits 13 der 17 Ärztekammern haben die novellierte MWBO in das jeweilige Landesrecht umgesetzt. In weiteren Ärztekammern soll die neue Weiterbildungsordnung in diesem Jahr in Kraft treten. Damit rückt das Erlangen von Kompetenzen stärker in den Fokus der Weiterbildung. Zeiten und Richtzahlen sollen dagegen in den Hintergrund treten.

Ein weiteres Kernstück der MWBO ist das eLogbuch, das ebenfalls 2018 neu eingeführt wurde. Es ist am 01.07.2020 an den Start gegangen und wird bereits in mehr als der Hälfte der Ärztekammern genutzt.

Das eLogbuch soll Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung dabei unterstützen, ihre erworbenen Kompetenzen oder Richtzahlen digital und kontinuierlich zu dokumentieren und diese anschließend durch Weiterbildungsbefugte bestätigen zu lassen. Als weitere Funktion des eLogbuchs können zukünftig auch die Unterschiede zwischen den kammerspezifischen Weiterbildungsordnungen visuell – auf der Grundlage des neuen Kompetenzkataloges – dargestellt werden, sodass diese leicht erkennbar sind. Das eLogbuch und seine Anwendungen werden stetig weiterentwickelt. Dazu findet regelmäßig unter anderem ein Erfahrungsaustausch mit den Ärztekammern statt. Anpassungen werden durch eine Lenkungsgruppe aus Kammervertretern begleitet. Darüber hinaus hat die BÄK für die Anwender einen sogenannten „First-Level-Support“ eingerichtet, der telefonisch und über ein Kontaktformular erreichbar ist.

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news-3063 Tue, 15 Jun 2021 12:35:00 +0200 Online-Ärztetag – zwei Tage geballte Medienpräsenz https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3063&cHash=bc198faaafb0b88b56b9d772e2da1243 Der 124. Deutschen Ärztetag war ein Novum – in vielerlei Hinsicht: Verkürzt auf zwei Tage kamen die 250 Abgeordneten aus 17 Landesärztekammern ausschließlich virtuell zusammen. Ursprünglich sollte das Ärzteparlament in Rostock tagen, doch musste die Veranstaltung schließlich pandemiebedingt online stattfinden – und es funktionierte reibungslos. Wer befürchtet hatte, ein digitaler Ärztetag werde „der Arbeit der Delegierten nicht gerecht und intensive Diskussionen kämen nicht zustande, sah sich eines Besseren belehrt“, fasste das Deutsche Ärzteblatt zusammen. Der 124. Deutschen Ärztetag war ein Novum – in vielerlei Hinsicht: Verkürzt auf zwei Tage kamen die 250 Abgeordneten aus 17 Landesärztekammern ausschließlich virtuell zusammen. Ursprünglich sollte das Ärzteparlament in Rostock tagen, doch musste die Veranstaltung schließlich pandemiebedingt online stattfinden – und es funktionierte reibungslos. Wer befürchtet hatte, ein digitaler Ärztetag werde „der Arbeit der Delegierten nicht gerecht und intensive Diskussionen kämen nicht zustande, sah sich eines Besseren belehrt“, fasste das Deutsche Ärzteblatt zusammen.

Trotz bislang ungewohnter Online-Version stieß der Ärztetag auf eine enorme mediale Resonanz: Mehr als 180 Journalistinnen und Journalisten hatten sich akkreditiert und verfolgten per Livestream die berufspolitischen und medizinisch-ethischen Debatten des Ärztetags. Damit waren mehr Medienvertreter bei einem Ärztetag dabei als jemals zuvor. Darunter waren Korrespondenten und Reporter überregionaler Printmedien, deutschlandweiter öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunkanstalten, Nachrichtenagenturen, zahlreicher regionaler Rundfunksender und Tageszeitungen von Nordsee-Zeitung über Magdeburger Volksstimme bis Stuttgarter Nachrichten sowie Fachpresse.

Alle wichtigen Entscheidungen des Ärztetags wurden in Pressemitteilungen aufbereitet. Ergänzt wurden diese im YouTube-Kanal der Bundesärztekammer mit Video-Zusammenfassungen von Vorträgen und Gesprächen der Referenten, Grußworte sowie vertiefenden Interviews. Twitter-Nutzer konnten den Ärztetag nahezu in Echtzeit verfolgen. Insgesamt 107 Tweets informierten die rund 18 800 Follower von @BAEKaktuell live über die Ereignisse.

Medienberichte – sachlich, ohne Polemik

Große Aufmerksamkeit erhielt die Eröffnungsveranstaltung mit einer Videobotschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie den Reden von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Im Fokus der Berichterstattung standen vor allem die Top-Themen „Lehren aus der Covid-19-Pandemie“ und „ärztliche Suizidbeihilfe“. Allein die Tagesschau berichtete insgesamt zehnmal, der Deutschlandfunk siebenmal und die großen Tageszeitungen Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und Süddeutsche Zeitung jeweils fünfmal innerhalb weniger Tage vom Online-Ärztetag.

Sachlich, ohne Polemik berichteten die Medien von den parlamentarischen Debatten, in denen die Stärken und vor allem aber die Schwächen des Gesundheitssystems – deutlich aufgezeigt durch die Pandemie – offen benannt und diskutiert wurden. „Noch nie zuvor [kamen] so viele Ärzte zu Wort wie im vergangenen Jahr. Sie haben das Coronavirus erklärt, wie man sich schützen kann und wie die Belegung der Intensivstationen ist. Beim Online-Ärztetag geht es aber nicht nur um die Pandemie“, betonte der Bayerische Rundfunk.

Zahlreiche Medienvertreter registrierten die Diskrepanz zwischen einer zunehmenden Kommerzialisierung, dem damit verbundenen Kostendruck in der Gesundheitsversorgung und der zugleich (lebensrettenden) Notwendigkeit, während einer Pandemie auf ein starkes Gesundheitswesen zugreifen zu können. „Immer mehr Ärzte geraten in schwer auflösbare Zielkonflikte“, betonte die FAZ. „Pandemie zeigt Defizite ‚wie im Brennglas‘“ und „Gesundheitssystem geradezu kaputtgespart“ titelten etwa Tagesschau und Dresdener Morgenpost.

Als „überfällige Mahnung“ bewertete das Main-Echo die parlamentarischen Debatten mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl. Diese „machten den Gesundheitspolitikern hierzulande einmal mehr deutlich, dass nach den wohlfeilen Worten in diesen Corona-Monaten jetzt zwingend weitere Taten folgen müssen – und dass die Ärzte als eine wichtige Säule unserer Gesundheitsversorgung in diesem Bundestagswahljahr genau hinschauen werden, welche Parteien […] wirklich etwas tun.“

Redebedarf für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen

Auch die Südwest Presse kommentierte und zollte der Ärzteschaft Anerkennung für ihren Einsatz in der Pandemie und darüber hinaus: „Wenn noch Imagewerbung für den Arztberuf nötig gewesen sein sollte, hat die Pandemie dafür gesorgt. Zusammen mit den Pflegekräften gelten die Mediziner als die, die seit Monaten an vorderster Front gegen Covid-19 stehen und die Grenzen der eigenen Belastbarkeit immer wieder austesten mussten. […] Alles in allem […] haben die Mediziner ihren Beitrag dazu geleistet, dass das Gesundheitssystem dem Druck der Pandemie standgehalten hat. Trotzdem gibt es Redebedarf. […] Die Notwendigkeit, das Gesundheitswesen fortzuentwickeln, es zukunftssicher zu machen, bleibt.

Durchweg zustimmend reagierten die Medien auf die Forderung der Ärzteschaft nach einer Krankenhausstrukturreform. So begrüßte der Kölner Stadtanzeiger den Ansatz der Ärzteschaft, Krankenhausstrukturen unter dem Aspekt der besten medizinischen Versorgung zu bewerten und Kliniken „krisenfest“ zu machen: „Mehr Spezialisierung, aber auch mehr Reserven - das sind die Lehren aus der Pandemie“. Ähnlich kommentierte die Magdeburger Volksstimme. Der Ärztetag habe angesichts der Pandemieerfahrungen „zu Recht vor einer Ausdünnung von Klinikkapazitäten in Deutschland“ gewarnt. „Demnächst […] die Axt an die Kliniklandschaft anzulegen, wie seit Jahren gefordert wird, dürfte sich eigentlich erübrigen.“

Mit Spannung war die Debatte zum ärztlich assistierten Suizid von den Medien erwartet worden. Entsprechend gestaltete sich die Anzahl der Medienberichte. Insgesamt 42 Medien vermeldeten: „Verbot der Suizidhilfe aus Ärzte-Berufsordnung gestrichen“ und „Ärztetag hebt Verbot ärztlicher Suizidbeihilfe auf“. Viele von ihnen griffen den Ärztetagsbeschluss auf und setzten diesen in den Kontext der medizinisch-ethische Konfliktsituation von Ärztinnen und Ärzten: „Ärzte suchen ihre Rolle“ titelte die Süddeutsche Zeitung.

Die Tageszeitung Die Rheinpfalz betonte: „Schon in der vierstündigen Debatte beim digitalen Ärztetag war klar: Das Streichen eines Satzes in der Berufsordnung reicht nicht aus, um Fragen nach der ärztlichen Suizidhilfe befriedigend zu beantworten“, während der Tagesspiegel die Dauer der Debatte als Beleg betrachtete, „wie wichtig die Delegierten das Thema nahmen“. Als „wertvollen Beistand“ kommentierte die Südwest Presse und begrüßte den Ärztetagsbeschluss, mit dem nun der Weg „endgültig frei“ sei für eine sinnvolle Regelung durch den Bundestag.

Darüber hinaus griffen die Medien eine Vielzahl weiterer Beschlüsse des Ärzteparlaments auf. „Näher am Menschen“ überschrieb die Wochenzeitung Die Zeit ihren Beitrag zur dringend erforderlichen Reform des Medizinstudiums. „Ärztetag beschließt neuen Facharzt für Infektiologie“ und „Ärztetag gibt grünes Licht für Facharzt für Infektiologie“ meldeten Deutsches Ärzteblatt und Ärzte Zeitung. Beide Fachmedien berichteten ausführlich über die (Muster-)Weiterbildungsordnung, die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung und eine sektorenübergreifende Notfallversorgung.

Eine abschließende Bilanz zum Online-Ärztetag findet sich im Deutschen Ärzteblatt: „Die Ärzteschaft hat an zwei intensiven Tagen deutlich gemacht, was für ein zukunftssicheres Gesundheitswesen getan werden muss. Im Bundestagswahljahr ein wichtiges Signal für die Politik, die hoffentlich gut zugehört hat.“

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news-3064 Tue, 15 Jun 2021 13:00:00 +0200 eHBA, ePA & Co.: Akzeptanz der Ärzte nicht gefährden https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3064&cHash=acce339fabcc56492798b34f5e85b60f Mit einem einfachen Satz hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf dem 124. Deutschen Ärztetag ein wichtiges Signal zu den drohenden Sanktionen bei nicht fristgerechter Ausstattung mit Komponenten der elektronischen Patientenakte gesendet: „Da, wo es objektiv nicht geleistet werden kann, soll es auch keine Sanktionen geben“. Bei der Eröffnungsveranstaltung diskutierte er mit Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt – moderiert von Deutschlandfunk-Moderator Jürgen Zurheide – unter anderem über die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung. Mit einem einfachen Satz hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf dem 124. Deutschen Ärztetag ein wichtiges Signal zu den drohenden Sanktionen bei nicht fristgerechter Ausstattung mit Komponenten der elektronischen Patientenakte gesendet: „Da, wo es objektiv nicht geleistet werden kann, soll es auch keine Sanktionen geben“. Bei der Eröffnungsveranstaltung diskutierte er mit Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt – moderiert von Deutschlandfunk-Moderator Jürgen Zurheide – unter anderem über die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung.

Mit seiner Aussage auf dem Ärztetag bezog sich Spahn auf die gesetzlich vorgegebenen Sanktionen, die dann greifen, wenn Vertragsärztinnen und Vertragsärzte – auch ohne eigenes Verschulden – bis zum 30. Juni 2021 nicht über die erforderlichen Komponenten verfügen, um auf die elektronische Patientenakte (ePA) zuzugreifen. Das betrifft insbesondere den elektronische Heilberufsausweis (eHBA), das für die ePA notwendige Konnektor-Update sowie ein entsprechend angepasstes Praxisverwaltungssystem. Eine Garantie, dass alle Betroffenen fristgerecht mit den erforderlichen Komponenten ausgestattet sein werden, könne nicht geben. Aber eine Garantie, dass es bei vielen klappen könnte, sei durchaus drin. „Dann wird es schrittweise anwachsen“, sagte Spahn.

Reinhardt hatte zuvor betont, dass die Ärzteschaft den Chancen der Digitalisierung durchaus positiv gegenüberstehe – vorausgesetzt, die Details der Digitalisierung seien sinnvoll geregelt. Probleme bereiteten aktuell die gesetzlich festgelegten und sanktionsbehafteten Fristen bei der Einführung digitaler Anwendungen der Telematikinfrastruktur. Solange nicht gewährleistet werden könne, dass zu einem bestimmten Stichtag die Technik funktioniere, könne das auch nicht sanktioniert werden, so Reinhardt.

Die Bundesärztekammer steht deshalb mit dem Bundesgesundheitsministerium im Austausch, um die von Spahn auf dem Ärztetag angekündigten Ausnahmen von den Sanktionen zu konkretisieren. Das Ministerium hat nun schriftlich bestätigt, dass es genügen wird und mit Blick auf die gesetzliche Regelung „noch vertretbar“ sei, wenn der Vertragsarzt die erforderlichen Komponenten vor dem 01. Juli 2021 bei einem oder mehreren Anbietern verbindlich bestellt hat. Aus Sicht der BÄK wird das dazu beitragen können, die Akzeptanz der Ärztinnen und Ärzte für digitale Anwendungen und ihren Einsatz in der Versorgung zu erhöhen.

eHBA: Bearbeitungsstau bei Vertrauensdiensteanbietern aufgelöst

Gelitten haben dürfte diese Akzeptanz zuletzt auch wegen des Bearbeitungsstaus bei der Ausgabe der elektronischen Heilberufsausweise durch die sogenannten Vertrauensdiensteanbieter (VDA), der sich zu Jahresanfang aufgebaut hatte.

Der eHBA attestiert seinem Inhaber die Zugehörigkeit zum Beruf „Arzt“ und bestätigt seine Identität. So wird unter anderem sichergestellt, dass der Kommunikationspartner tatsächlich derjenige ist, der er vorgibt zu sein und nachweisbar die Berechtigung zur Ausübung des Arztberufes hat. Technisch betrachtet, ist für den Zugriff auf die ePA zwar nur der sogenannte Praxisausweis (SMC-B) erforderlich, doch muss ein eHBA vorhanden sein. Denn nur eHBA-Inhaber dürfen – aus rechtlicher Sicht – auf medizinische Daten zugreifen.

Für die Herausgabe des eHBA sind die Ärztekammern zuständig. Die notwendige technische Infrastruktur wird jedoch von Vertrauensdiensteanbietern (VDA) angeboten. Diese produzieren die Ausweise und betreiben die Infrastrukturen unter anderem für die Prüfbarkeit der elektronischen Signaturen. Aktuell sind vier Vertrauensdiensteanbieter für die Produktion des eHBA zugelassen: Bundesdruckerei, medisign, T-Systems und SHC Stolle und Heinz Consultants. Nach Auskunft der VDA gab es in den ersten Monaten des Jahres mehrere Tausend Bestellungen für den eHBA, die nur mit deutlichem Verzug produziert und ausgeliefert werden konnten.

Die Bundesärztekammer hatte das Bundesgesundheitsministerium bereits Anfang Februar 2021 auf den Bearbeitungsstau – vor allem bei Bundesdruckerei und medisign – hingewiesen, der bei den antragstellenden Ärztinnen und Ärzten für erheblichen Unmut gesorgt hatte. Mittels trilateraler Gespräche zwischen diesen Anbietern, der BÄK und dem BMG wurden die Anbieter für die Lage der Ärzte sensibilisiert und Möglichkeiten analysiert, die Bearbeitungszeiten zu beschleunigen.

Mittlerweile haben sich die Auslieferungszeiten zwar wieder normalisiert, eine flächendeckende Ausstattung aller Ärzte mit einem eHBA zum 30. Juni 2021 ist jedoch realistisch nicht erreichbar. Dennoch ist den Vertragsärztinnen und -ärzten dringend zu raten, einen eHBA vor dem 01. Juli 2021 zu beantragen.

Keine Garantie für eine fristgerechte ePA-Implementierung

Erschwerend kommt eine fehlende flächendeckende Verfügbarkeit des erforderlichen Konnektor-Updates (Produkttypversion 4, PTV4) hinzu. Die gematik hat Anfang Mai 2021 das Konnektor-Update der Firma Secunet – und damit den ersten von insgesamt drei Konnektoren für die Telematikinfrastruktur (TI) – zugelassen. Der Secunet-Konnektor hat den größten Marktanteil. Die Konnektoren der Firmen RISE und CGM befinden sich aktuell noch im Feldtest in ausgewählten Praxen und Krankenhäusern. Das aber ist längst keine Garantie dafür, dass die für Juni 2021 geplante flächendeckende Aktualisierung der Konnektoren in allen Arztpraxen tatsächlich zeitgerecht erfolgen kann. Die ebenfalls nötige Anpassung der Praxisverwaltungssysteme ist ebenso fraglich.

Der 124. Deutsche Ärztetag hat deshalb mit großer Mehrheit die Streichung von Sanktionen für Ärztinnen und Ärzte gefordert, die mit Fristen bei der Einführung digitaler Anwendungen verbunden sind. Digitale Anwendungen können die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten unterstützen. Das vom Gesetzgeber vorgelegte Tempo berge jedoch die Gefahr, dass dadurch „notwendige Testungen zur Praktikabilität wie auch zur Patientensicherheit unterbleiben“, betonten die Abgeordneten.

Neben der Schaffung der technischen Voraussetzungen müssten bei der Einführung digitaler Anwendungen vor allem eingespielte Praxisabläufe angepasst werden, betonte das Ärzteparlament. Auch ohne die pandemiebedingt hohe Belastung der Arztpraxen seien die Vorgaben des Gesetzgebers unrealistisch. Mit diesen bestehe die Gefahr, „dass Anwendungen unzureichend getestet und somit unausgereift, also potenziell patientengefährdend, eingeführt werden, um Fristen zu halten und Sanktionen zu vermeiden“, so der Ärztetag.

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news-3065 Tue, 15 Jun 2021 09:51:00 +0200 Bobbert ist neuer Berliner Kammerpräsident https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3065&cHash=2f17e7040b13b616229fe5aec46984d0 Der Internist PD Dr. Peter Bobbert ist neuer Präsident der Ärztekammer Berlin. Die Delegiertenversammlung wählte ihn am 17. Februar 2021 zum Nachfolger von Dr. Günther Jonitz, der zum 1. Februar sein Amt niedergelegt hatte. Vor seiner Wahl hatte Bobbert seit 2019 einen der beiden Vorstandsposten „weitere Ärztin/weiterer Arzt“ bei der Bundesärztekammer (BÄK) inne. Der Internist PD Dr. Peter Bobbert ist neuer Präsident der Ärztekammer Berlin. Die Delegiertenversammlung wählte ihn am 17. Februar 2021 zum Nachfolger von Dr. Günther Jonitz, der zum 1. Februar sein Amt niedergelegt hatte. Vor seiner Wahl hatte Bobbert seit 2019 einen der beiden Vorstandsposten „weitere Ärztin/weiterer Arzt“ bei der Bundesärztekammer (BÄK) inne.

Der 42-Jährige engagiert sich in den BÄK-Gremien der Bundesärztekammer vor allem für die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung, den Klimaschutz sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zudem ist er Menschenrechtsbeauftragter der BÄK.

Als Berliner Kammerpräsident möchte Bobbert seinen Fokus darauflegen, die Ärztekammer „offen und transparent für alle“ zu gestalten. Auch sei es ihm wichtig, Lehren aus der Corona-Pandemie zu ziehen, um Positives zu verstärken und Negatives zu verbessern. „Die gleichberechtigte Unterstützung aller drei Säulen unseres Gesundheitswesens, des ambulanten und stationären Sektors sowie des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, muss unser Anspruch sein“, sagte er dem Deutschen Ärzteblatt nach seiner Wahl.

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news-3148 Tue, 07 Sep 2021 12:50:15 +0200 Schulz als Brandenburgs Kammerpräsident bestätigt https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3148&cHash=5e1de9db400f90fed343321a564166a1 Die Kammerversammlung der Landesärztekammer Brandenburg hat Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz für die kommenden fünf Jahre im Amt bestätigt. Für den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist es die zweite Amtszeit als Kammerpräsident. Die Kammerversammlung der Landesärztekammer Brandenburg hat Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz für die kommenden fünf Jahre im Amt bestätigt. Für den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist es die zweite Amtszeit als Kammerpräsident.

„Ich bedanke mich für das Vertrauen, welches mir erneut entgegengebracht wurde. Auch in der neuen Legislaturperiode wird es darum gehen, die Brandenburger Ärztinnen und Ärzte in ihren Belangen bestmöglich zu vertreten. Dafür werde ich mich einsetzen“, erklärte Schulz nach der Wahl.

Der Kammerversammlung der Landesärztekammer gehört Schulz seit 2008 an.

Bei der Bundesärztekammer engagiert sich der 69-Jährige als Co-Vorsitzender in den Ausschüssen „Ambulante Versorgung“ und „Ambulante stationäre Versorgung“ und ist Mitglied im Ausschuss „Berufsordnung“.

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news-3149 Tue, 07 Sep 2021 13:03:48 +0200 Grundmann zum neuen Kammerchef in Bremen gewählt https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3149&cHash=82f976f1e4c3aa7a55294b774b87601a Dr. Johannes Grundmann ist der neue Präsident der Ärztekammer Bremen. Die Delegiertenversammlung wählte den hausärztlichen Internisten einstimmig zum Nachfolger von Dr. Heidrun Gitter, die im März 2021 nach schwerer Krankheit verstorben war. Dr. Johannes Grundmann ist der neue Präsident der Ärztekammer Bremen. Die Delegiertenversammlung wählte den hausärztlichen Internisten einstimmig zum Nachfolger von Dr. Heidrun Gitter, die im März 2021 nach schwerer Krankheit verstorben war.

Während seiner Amtszeit will sich Grundmann vor allem auf Themen wie die fortschreitende Kommerzialisierung des Gesundheitswesens mit ihren Auswirkungen für die Patientenversorgung konzentrieren. Besorgt sei er zudem angesichts des sich bedrohlich verschärfenden Personalmangels im pflegerischen und ärztlichen Bereich, der eine flächendeckende gute Versorgung in Bremen und Bremerhaven gefährde. Er verwies auch auf die nach wie vor angespannte Situation im Öffentlichen Gesundheitsdienst.

Der 70-Jährige ist seit 2008 im Vorstand der Ärztekammer, seit 2012 Vizepräsident.

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news-3150 Tue, 07 Sep 2021 13:10:30 +0200 Ebmeyer ist neuer Kammerchef in Sachsen-Anhalt https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3150&cHash=75d89824633e4845ae641b69dc9b5492 Für die kommenden fünf Jahre steht Prof. Dr. Uwe Ebmeyer an der Spitze der Ärzteschaft in Sachsen-Anhalt. Die konstituierende Kammerversammlung wählte den Facharzt für Anästhesiologie im Juni 2021 mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Ärztekammer. Für die kommenden fünf Jahre steht Prof. Dr. Uwe Ebmeyer an der Spitze der Ärzteschaft in Sachsen-Anhalt. Die konstituierende Kammerversammlung wählte den Facharzt für Anästhesiologie im Juni 2021 mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Ärztekammer.

„Mein gesetztes Ziel ist es, für die Interessen der gesamten Ärzteschaft im Land einzustehen und Ansprechpartner für alle Ärztinnen und Ärzte Sachsen-Anhalts zu sein. Nur wenn wir eine Einheit bilden, können wir uns für gesundheitspolitische Themen starkmachen und für unsere Belange eintreten“, so der neue Kammerpräsident nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

Ebmeyer ist seit 2011 Mitglied der Kammerversammlung sowie des Vorstands der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. In den vergangenen fünf Jahren war er Vizepräsident der Kammer.

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news-3151 Tue, 07 Sep 2021 13:12:48 +0200 Held ist neues Mitglied im BÄK-Vorstand https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3151&cHash=10e7168bc5230fa31743895558184cfe Die niedergelassene HNO-Ärztin Dr. Regine Held ist neues Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK). Die Abgeordneten des 124. Deutschen Ärztetags wählten die 64-Jährige mit 112 von 223 gültigen Stimmen als weiteres Mitglied im BÄK-Vorstand. Die niedergelassene HNO-Ärztin Dr. Regine Held ist neues Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK). Die Abgeordneten des 124. Deutschen Ärztetags wählten die 64-Jährige mit 112 von 223 gültigen Stimmen als weiteres Mitglied im BÄK-Vorstand.

Held kündigte an, sich für familienfreundliche Arbeitsbedingungen, eine strukturierte Weiterbildung auch in Teilzeit sowie eine konstruktiv wie gleichwohl kritisch begleitete Digitalisierung einsetzen zu wollen. „Dadurch bleibt unser Beruf attraktiv für den benötigten Nachwuchs und zukunftsfähig“, betonte Held nach ihrer Wahl.

Die Stelle des weiteren Vorstandsmitglieds war vakant geworden, nachdem PD Dr. Peter Bobbert, der diese Position neben Dr. Susanne Johna inne hatte, im Februar 2021 zum Präsidenten der Ärztekammer Berlin gewählt worden war.

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news-3152 Tue, 07 Sep 2021 13:22:20 +0200 Künstliche Intelligenz: Kein Ersatz für ärztliche Empathie https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3152&cHash=daa89083268b0f95d9985766677ab9e8 Künstliche Intelligenz kann in kürzester Zeit enorme Datenmengen verknüpfen und analysieren – schneller, als der Mensch es je können wird. In der Medizin birgt das ein großes Potential, die Patientenversorgung zu verbessern. Zugleich weckt KI aber auch Ängste, ob sie sich negativ auf die Arzt-Patient-Beziehung auswirkt. Die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer hat deshalb die Chancen und Grenzen von KI in der Medizin analysiert. Künstliche Intelligenz (KI) kann in kürzester Zeit enorme Datenmengen verknüpfen und analysieren – schneller, als der Mensch es je können wird. In der Medizin birgt das ein großes Potential, die Patientenversorgung zu verbessern. Zugleich weckt KI aber auch Ängste, ob sie sich negativ auf die Arzt-Patient-Beziehung auswirkt. Die Zentrale Ethikkommission (ZEKO) bei der Bundesärztekammer hat deshalb die Chancen und Grenzen von KI in der Medizin analysiert.

In ihrer Stellungnahme zur „Entscheidungsunterstützung ärztlicher Tätigkeit durch Künstliche Intelligenz“ betrachtet die ZEKO sogenannte „Clinical Decision Support Systems“ (CDSS) – KI-basierte Datenverarbeitungssysteme, die Ärztinnen und Ärzte bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützen sollen. So werden unter anderem der aktuelle Entwicklungsstand von KI-basierten CDSS skizziert und Fragen aus medizinischer, ethischer und rechtlicher Perspektive beleuchtet, die mit dem Einsatz solcher Systeme für die ärztliche Tätigkeit verbunden sind.

„Die Stellungnahme soll dazu beitragen, für die ethischen Herausforderungen bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI-basierten CDSS zu sensibilisieren“, sagt der Vorsitzende der ZEKO, Prof. Dr. jur. Jochen Taupitz. Mit Künstlicher Intelligenz werden enorme Erwartungen an den medizinischen Fortschritt verbunden, insbesondere im Bereich der Diagnostik und der personalisierten Medizin, betont er. Da aber auch KI nicht frei von Fehlern sein werde, weist Taupitz darauf hin, wie wichtig es sei, dass sich Ärztinnen und Ärzte mit den Besonderheiten der KI-gestützten Entscheidungsassistenz befassen.

Die ZEKO begrüßt in ihrer Stellungnahme vor allem den Einsatz von CDSS – vorausgesetzt, diese tragen dazu bei, die Qualität und Effektivität der Patientenversorgung zu verbessern. CDSS sollen Ärzte und Patienten darin unterstützen, eine große Menge klinisch-diagnostischer Informationen für den gemeinsamen Entscheidungsprozess zur Verfügung zu stellen, die individuumsbezogen und fallorientiert durch integrierte Software-Systeme ausgewählt werden.

CDSS detektieren beispielsweise in der radiologischen Bildgebung auffällige Areale und kommen in der Dermatologie bei der Beurteilung der Malignität von Hautläsionen zur Anwendung. „Bereits jetzt können CDSS durch den Einsatz moderner Methoden der Datenverarbeitung bei bestimmten Teilaufgaben Ergebnisse erzielen, die mit denen von Ärztinnen und Ärzten vergleichbar sind oder diese sogar übertreffen“, heißt es in der Stellungnahme.

Ärztinnen und Ärzte sollten sich dennoch darüber bewusst sein, dass CDSS Fehler und Verzerrungen aufweisen könnten. Damit ist die Gefahr fehlerhafter Diagnose- und Therapieempfehlungen verbunden. „Beim Einsatz von KI liegt die Verantwortung und Rechenschaftspflicht für Diagnose, Indikationsstellung und Therapie nach wie vor beim Arzt beziehungsweise bei der Ärztin. Diese Verantwortung kann nicht an ein CDSS abgetreten werden“, hebt Taupitz hervor. Optimale Behandlungsergebnisse würden insbesondere erzielt, wenn CDSS und ärztliches Erfahrungswissen zusammenwirken. „Nur Ärztinnen und Ärzte vermögen das Krankheitsbild gesamtbiographisch zu verorten und auch psychische sowie emotionale Faktoren zu berücksichtigen, die sowohl für die Diagnose Gewicht haben als auch für eine angemessene Therapie ausschlaggebend sein können“, heißt es in der Stellungnahme der ZEKO.

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news-3153 Tue, 07 Sep 2021 13:29:51 +0200 Ärzten eine Orientierung im Umgang mit Suizidalität geben https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3153&cHash=183898ef03f53e19387fd38ce745642b Ärztinnen und Ärzte sind nicht verpflichtet, Suizidhilfe zu leisten, wenngleich die Förderung der Selbsttötung nach dem Strafgesetzbuch nicht mehr strafbar ist. An der „lebens- und gesundheitsorientierten Zielrichtung“ ärztlichen Handelns habe sich nichts geändert, hatte der 124. Deutsche Ärztetag im Mai dieses Jahres seine Entscheidung zur Änderung der „(Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte“ begründet. Die Bundesärztekammer hat Hinweise zum ärztlichen Umgang mit Suizidalität und Todeswünschen veröffentlicht. Diese sollen Ärzte dabei unterstützen, wenn der Wunsch nach „Hilfe zum Suizid“ an sie herangetragen wird. Ärztinnen und Ärzte sind nicht verpflichtet, Suizidhilfe zu leisten, wenngleich die Förderung der Selbsttötung nach dem Strafgesetzbuch nicht mehr strafbar ist. An der „lebens- und gesundheitsorientierten Zielrichtung“ ärztlichen Handelns habe sich nichts geändert, hatte der 124. Deutsche Ärztetag im Mai dieses Jahres seine Entscheidung zur Änderung der „(Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte“ begründet. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat Hinweise zum ärztlichen Umgang mit Suizidalität und Todeswünschen veröffentlicht. Diese sollen Ärzte dabei unterstützen, wenn der Wunsch nach „Hilfe zum Suizid“ an sie herangetragen wird.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am 26. Februar 2020 in einem grundlegenden Urteil (Az.: 2 BvR 2347/15) entschieden, dass der im Jahr 2015 eingeführte Straftatbestand der „Geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ gemäß § 217 Strafgesetzbuch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar und nichtig ist.

Nach Ansicht des Gerichts sei das „Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben“ Ausdruck persönlicher Autonomie des Suizidwilligen. Es schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und – soweit sie angeboten wird – in Anspruch zu nehmen. Besonders wichtig ist jedoch aus ärztlicher Sicht: Niemand kann verpflichtet werden, eine solche Suizidhilfe zu leisten – und das gilt selbstverständlich auch für Ärztinnen und Ärzte.

Die BÄK hat deshalb als Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte „Hinweise der Bundesärztekammer zum ärztlichen Umgang mit Suizidalität und Todeswünschen nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu § 217 StGB“ erstellt.

BÄK-Papier skizziert den rechtlichen Handlungsrahmen

Neben der Beschreibung des komplexen Phänomens der Suizidalität und dem, was das Bundesverfassungsgericht unter einer „Suizidhilfe“ sowie einem „freiverantwortlichen Suizid“ versteht, wird in den Hinweisen der BÄK zum ärztlichen Umgang mit Suizidalität und Todeswünschen auch der rechtliche Handlungsrahmen skizziert. Es wird aufgezeigt, welche Handlungen, die in engem Zusammenhang mit der Umsetzung von Todeswünschen stehen, bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen straffrei sind.

In dem Papier werden die erlaubten Formen – also die Behandlungsbegrenzung und die Sterbebegleitung – und das nach wie vor Verbotene erläutert. Letzteres betrifft die Tötung auf Verlangen, aber auch andere Formen der Fremdtötung. Schließlich werden die betäubungsmittelrechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Durchführung eines Suizids aufgezeigt, die ebenfalls strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können.

Vor allem jedoch legen die Hinweise dar, was zu den ärztlichen Aufgaben im Umfeld eines Suizids gehören kann und welche Handlungen eine Mitwirkung bei der Selbsttötung darstellen können.

In seinem Beschluss hat der 124. Deutsche Ärztetag 2021 bekräftigt, dass die Mitwirkung von Ärztinnen und Ärzten bei der Selbsttötung keine ärztliche Aufgabe ist (wir berichteten). Die Hinweise erläutern, was darunter im Detail zu verstehen ist. Die berufliche Tätigkeit umfasst – unter Achtung des Selbstbestimmungsrechtes der Patienten – Leben zu erhalten, Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen sowie Leiden zu lindern und Sterbenden bis zum Tod beizustehen. Todeswünsche oder Suizidgedanken können daher vor allem Thema eines ergebnisoffenen Gesprächs im Rahmen eines vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnisses sein. Zu den ärztlichen Aufgaben zählen auch eine palliative oder die suizidpräventive Versorgung. Das ist den Berufsordnungen für Ärztinnen und Ärzten zu entnehmen.

Suizidhilfe nicht verpflichtend

Die individuelle ärztliche Entscheidung, einen Menschen bei einem Suizid zu unterstützen etwa durch Anleitung oder Verschreibung von Betäubungsmitteln, ist in konkreten Fällen berufsrechtlich zu respektieren. Eine unter Umständen auch geschäftsmäßige Hilfe zum Suizid erfolgt in eigener Verantwortung der handelnden Ärztin oder des handelnden Arztes. Sie sind dabei frei darin, die Hilfe auf bestimmte Lebens- oder Krankheitssituationen zu beschränken oder im Einzelfall andere, für sie persönlich wichtige Umstände und Kriterien zu berücksichtigen. Denn sie können nicht zur Suizidhilfe verpflichtet werden.

Aufgrund der Nichtigkeit des § 217 StGB wird die Hilfe zu einem freiverantwortlichen Suizid nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Nach Änderung der Berufsordnungen in den Landesärztekammern wird dies auch nicht berufsrechtlich geahndet. Die betäubungsmittelrechtlichen Risiken, die im Zusammenhang mit der Verschreibung von zum Beispiel Natriumpentobarbital zum Zweck der Selbsttötung bestehen, sollten aber weiterhin beachtet werden.

Die „Hinweise der Bundesärztekammer zum ärztlichen Umgang mit Suizidalität und Todeswünschen nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu § 217 StGB“ beruhen auf den Beratungen im Ausschuss für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen und im Vorstand der Bundesärztekammer sowie auf der Grundsatzdebatte auf dem 124. Deutschen Ärztetag 2021. Sie wurden am 25. Juni 2021 vom Vorstand der Bundesärztekammer beschlossen.

Die Hinweise ersetzen nicht die „Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung“ aus dem Jahr 2011. Die gegenwärtig politisch erörterten Diskussions- und Gesetzesentwürfe hinsichtlich der Hilfe zur Selbsttötung sind ebenso wenig Gegenstand der Hinweise wie Positionen zu der vom Bundesverfassungsgericht angeregten normativen Ausgestaltung eines Schutzkonzepts im Zusammenhang mit der Suizidhilfe. Letzteres ist Aufgabe des Gesetzgebers.

 

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news-3154 Tue, 07 Sep 2021 13:38:30 +0200 Physiotherapie: Kriterien für Direktzugang festlegen https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3154&cHash=4114b0be36c11a67aed787ebe5a095c6 Die Ausbildungen der Berufe in der Physiotherapie sollen reformiert und modernisiert werden. In der Debatte darüber hat sich die Bundesärztekammer (BÄK) gegen eine vollständige Akademisierung der Physiotherapie-Ausbildung ausgesprochen. Andernfalls könne das den Zugang zum Beruf der Physiotherapie für viele Schulabgänger erschweren oder gar verhindern. Darauf hat die BÄK in einem Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium im Rahmen des Konsultationsverfahrens zur Vorbereitung eines Referentenentwurfs über die Berufe in der Physiotherapie hingewiesen. Die Ausbildungen der Berufe in der Physiotherapie sollen reformiert und modernisiert werden. In der Debatte darüber hat sich die Bundesärztekammer (BÄK) gegen eine vollständige Akademisierung der Physiotherapie-Ausbildung ausgesprochen. Andernfalls könne das den Zugang zum Beruf der Physiotherapie für viele Schulabgänger erschweren oder gar verhindern. Darauf hat die BÄK in einem Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium im Rahmen des Konsultationsverfahrens zur Vorbereitung eines Referentenentwurfs über die Berufe in der Physiotherapie hingewiesen.

Bund und Länder hatten sich bereits im März 2020 auf ein „Gesamtkonzept Gesundheitsfachberufe“ verständigt, in dem die Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen neu geordnet werden soll. Ein erster Baustein zur Umsetzung des „Gesamtkonzepts Gesundheitsfachberufe“ war das Gesetz zur Reform der technischen Assistenzberufe in der Medizin. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die zukünftigen Medizinischen Technologinnen und Medizinischen Technologen wird derzeit erarbeitet.

In einem nächsten Schritt wird vom Bundesgesundheitsministerium nun eine Reform und Modernisierung der Ausbildungen der Berufe in der Physiotherapie vorbereitet. Dabei werden auch Veränderungen in der Physiotherapie diskutiert, wie beispielsweise die Ausbildungsform und der Zugang zur Versorgung.

Bewährte Physiotherapie-Ausbildung beibehalten

Aus Sicht der Bundesärztekammer hat sich das Tätigkeitsspektrum der Physiotherapie nicht in einem Maße verändert, dass die Anforderungen ausschließlich auf der Grundlage eines Studiums erfüllt werden könnten. Die bisherige Fachschulausbildung habe sich bewährt und sollte – neben den (dualen) Studiengängen – erhalten bleiben, fordert die BÄK.

„Ein modernes Berufsbild, eine Ausbildung ohne finanzielle Hürden sowie gute Perspektiven für eine berufliche Weiterqualifizierung mit der Option, aufbauend auf einer fundierten Ausbildung, der gewonnenen Berufserfahrung und einem ergänzenden Kompetenzerwerb eine leitende Funktion einzunehmen, seien entscheidend, um junge Menschen für das Berufsfeld der Physiotherapie zu gewinnen“, heißt es in dem Schreiben.

Nach Ansicht der BÄK sei außerdem unerlässlich, die derzeitigen Qualifizierungswege und Kompetenzprofile der Physiotherapie weiterzuentwickeln – basierend auf empirisch gesicherten Forschungsergebnissen. Eine professionsübergreifende und am Patientennutzen ausgelegte Forschung sowie Methoden zur Evaluation der Versorgungsqualität, die auf Patientenrelevanz und Nutzen der physiotherapeutischen Versorgungsqualität abzielen, seien unabdingbar.

Direktzugang braucht Handlungsrahmen

International und auch national wird ein Direktzugang von Patientinnen und Patienten zur Physiotherapie diskutiert. Die BÄK plädiert dafür, dass Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Versorgungsaufgaben übernehmen können, bei denen negative Auswirkungen auf die Patientensicherheit nicht zu erwarten sind – vorausgesetzt, die Aufgaben würden vorab definiert und erfolgten innerhalb eines vorgegebenen Handlungsrahmens.

Vor einem Direktzugang zur Physiotherapie bedürfe es zudem der Festlegung von Kriterien und Grenzen für die Behandlung. Diese müssten sich vor allem auf die qualifikatorischen Anforderungen und Bedingungen der Bildungswege und Weiterqualifizierungen beziehen. Der Direktzugang sollte insbesondere an klar umschriebene Kompetenzen und Fertigkeiten anknüpfen, die zuvor weiterentwickelt, ausgebaut und etabliert werden müssten. „Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Direktzugang ein Qualifikationsniveau voraussetzt, auf dessen Basis Physiotherapeuten Erkrankungen und Warnsignale, die sogenannten ´red flags´, erkennen und zugleich wissen, wann sie ärztliche Expertise einbeziehen müssen“, so die BÄK.

Schließlich müsste mit dem Direktzugang zur Physiotherapie auch die Übernahme der Budgetverantwortung für die Berufe der Physiotherapie einhergehen. Mit Blick auf die Therapieverantwortung sei zudem eine für Patienten transparente Abgrenzung zwischen ärztlichen und nicht-ärztlichen Zuständigkeiten erforderlich, betont die BÄK.

 

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news-3155 Tue, 07 Sep 2021 13:42:15 +0200 Bye Muster 1: Die eAU kommt https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3155&cHash=88c31fc32c96c378a1d135247b42d738 Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) startet zum Quartalswechsel am 1. Oktober 2021 – eigentlich. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben sich vor Kurzem auf eine Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2021 verständigt. Die Übergangsregelung gilt für Arztpraxen, die bis zum Beginn des vierten Quartals 2021 technisch nicht in der Lage sind, eine eAU zu erstellen. Während der Übergangszeit kann das bisherige papierbasierte Verfahren („gelber Schein“, Muster 1) weiter genutzt werden. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) startet zum Quartalswechsel am 1. Oktober 2021 – eigentlich. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband haben sich vor Kurzem auf eine Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2021 verständigt. Die Übergangsregelung gilt für Arztpraxen, die bis zum Beginn des vierten Quartals 2021 technisch nicht in der Lage sind, eine eAU zu erstellen. Während der Übergangszeit kann das bisherige papierbasierte Verfahren („gelber Schein“, Muster 1) weiter genutzt werden.

Zum Hintergrund: Damit Praxen eine eAU an die Krankenkassen übermitteln können, ist der Anschluss an einen KIM-Dienst (Kommunikation im Medizinwesen) unabdingbar. Zudem ist ein Modul für das Praxisverwaltungs- bzw. Krankenhaus-Informationssystem erforderlich, über das die eAU ausgefüllt, signiert, versendet und ausgedruckt werden kann. Von den mehr als 100 PVS-Anbietern wird es aber voraussichtlich ein Teil nicht zum Stichtag schaffen, die notwendigen Module in die Systeme zu integrieren. Die KBV zertifiziert diese Module der Praxisverwaltungssysteme und stellt eine Liste der bereits zertifizierten Systeme zur Verfügung.

Spätestens ab dem 1. Januar 2022 sind jedoch alle Arztpraxen und Krankenhäuser – letztere im Rahmen des Entlassmanagements – verpflichtet, jede ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung elektronisch über das sichere Übermittlungsverfahren KIM der Telematikinfrastruktur (TI) an die jeweilige Krankenkasse der Versicherten zu übermitteln. Die Versicherten senden hingegen weiterhin einen Ausdruck der eAU an ihren Arbeitgeber. Dafür ist ihnen verpflichtend ein Papierausdruck auszuhändigen.

Neue Prozesse im Praxisalltag integrieren

Zusätzlich zum entsprechenden PVS-Modul benötigen Praxen einen Konnektor mindestens der Produkttypversion 3 (eHealth-Konnektor) sowie einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) der Generation 2, um eine eAU rechtssicher und qualifiziert elektronisch signieren zu können. Die Nutzung einer qualifizierten elektronischen Signatur (QES) über den eHBA ist verpflichtend. Liegt ein eHBA aus technischen oder anderweitigen, von Ärztinnen und Ärzten unverschuldeten Gründen nicht vor, kann auch mit der SMC-B (Praxisausweis) signiert werden.

Der eHealth-Konnektor unterstützt die sogenannte Stapelsignatur. Mit dieser lassen sich mehrere Dokumente in einem Vorgang signieren, ohne für jedes einzelne Dokument erneut eine PIN eingeben zu müssen. Sämtliche an einem Tag ausgestellten eAU können also gesammelt, als Stapel signiert und anschließend versendet werden. Empfehlenswert ist jedoch ein Konnektor-Update auf die Produkttypversion 4+, sobald diese verfügbar ist. Zwei von drei Konnektorherstellern besitzen bereits eine Zulassung für ihr entsprechendes Software-Update.

Mit dem Upgrade unterstützt der Konnektor auch die Komfortsignatur. Mit dieser können für einen Zeitraum von 24 Stunden bis zu 250 Signaturen ohne weitere PIN-Eingabe durch eine einfache Bestätigung (bspw. Mausklick im Primärsystem) ausgelöst werden. Damit können eAU unmittelbar nach ihrer Ausstellung signiert und versendet werden. Dies vereinfacht die Prozesse – vor allem, wenn bei dem Versand der eAU technische Störungen auftreten. Im Vergleich zur Stapelsignatur lassen sich bei der Komfortsignatur eventuelle Störungen unmittelbar erkennen. Dann greift ein Ersatzverfahren, bei dem Ärztinnen und Ärzte den Versicherten – wie bisher – einen Ausdruck der Krankschreibung für die Krankenkasse mitgeben.

Nutzen Praxen die Stapelsignatur und stellen eine technische Störung fest, die auch bis zum folgenden Werktag anhält, müssen sie die Papierbescheinigung selbst an die Krankenkasse übermitteln.

Derzeit gibt es keine mobile Zugangsmöglichkeit für Ärztinnen und Ärzte in die TI. Die PVS-Module ermöglichen deshalb, leere eAU-Ausdrucke vor einem Hausbesuch zu erzeugen. Ärztinnen und Ärzte unterschreiben diese handschriftlich und versenden die eAU im Nachgang – elektronisch signiert – über ihr Praxisverwaltungssystem. Gemäß den geltenden Regelungen ist dies bis zum nachfolgenden Werktag möglich. Alternativ kann die eAU auch gänzlich nachgelagert in der Praxis erstellt werden. Anschließend ist dann allerdings ein postalischer Versand beider unterschriebener Ausdrucke an die Patienten notwendig.

Das Verfahren wird zum 1. Juli 2022 weiterentwickelt. Ab diesem Zeitpunkt übermittelt die Arztpraxis zwei Ausführungen der eAU an die Krankenkasse – eine für die Krankenkasse und einen für den Arbeitgeber. Der Arbeitgeber ruft diese bei den Krankenkassen seiner Mitarbeiter ab, sobald sich diese krankgemeldet haben. Eine Weiterleitung durch die Versicherten an Arbeitgeber und Krankenkasse erfolgt dann nicht mehr. Auf Wunsch erhalten Versicherte einen Ausdruck der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

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news-3156 Tue, 07 Sep 2021 13:50:41 +0200 Auffrischungsimpfungen abhängig von STIKO-Empfehlung anbieten https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3156&cHash=aade65df32dd179f28d15ac66f46ba96 Die Delta-Variante des Corona-Virus dominiert mittlerweile das Infektionsgeschehen. Sogenannte Impfdurchbrüche nehmen zu und haben Länder wie die U.S.A und Israel veranlasst, der Bevölkerung eine Auffrischungsimpfung anzubieten. Auch hierzulande werden Nutzen und Risiken einer 3. Impfdosis diskutiert. Die Bundesärztekammer rät dringend, die Expertise der Ständigen Impfkommission als Orientierung für politische Entscheidungen zu betrachten. Die Delta-Variante des Corona-Virus dominiert mittlerweile das Infektionsgeschehen. Sogenannte Impfdurchbrüche nehmen zu und haben Länder wie die U.S.A und Israel veranlasst, der Bevölkerung eine Auffrischungsimpfung anzubieten. Auch hierzulande werden Nutzen und Risiken einer 3. Impfdosis diskutiert. Die Bundesärztekammer (BÄK) rät dringend, die Expertise der Ständigen Impfkommission (STIKO) als Orientierung für politische Entscheidungen zu betrachten.

Die Inzidenzrate steigt aktuell in einem Umfang, der den des Sommers 2020 deutlich übersteigt. Insbesondere ungeimpfte Bürgerinnen und Bürger sind betroffen. Parallel dazu nimmt die Anzahl an Impfdurchbrüchen zu. Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge wurden seit Jahresanfang insgesamt mehr als 18 000 wahrscheinliche Impfdurchbrüche gemeldet (RKI-Lagebericht vom 26.08.2021).

Dass die Anzahl der Impfdurchbrüche in den kommenden Monaten noch steigen wird, ist wahrscheinlich. Das ist unter anderem der Statistik geschuldet, denn mit steigender Impfquote erhöht sich natürlich auch die Zahl der potentiellen Impfdurchbrüche. Diese gehen in der Regel mit schwächeren Verläufen einher, als es ohne Impfung der Fall wäre. Die STIKO hat allerdings aufgrund der noch ungenügenden Datenlage bisher keine Empfehlung zu Auffrischungsimpfungen bei Erwachsenen abgegeben.

Um der Entwicklung frühzeitig entgegenzuwirken, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – unabhängig von einer STIKO-Empfehlung – bereits im August 2021 angekündigt, allen Bürgern ein Angebot für einen Corona-Auffrischungsimpfung anbieten zu wollen. „Eine Booster-Impfung ist von den Zulassungen gedeckt, sie verstärkt und verlängert den Impfschutz“, sagte er.

Der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité geht davon aus, dass die meisten Menschen im Herbst keine Auffrischungsimpfung benötigen. „Die Schutzwirkung der Corona-Vakzine ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen“, erklärte er. Ausnahmen gebe es bei älteren Menschen und bestimmten Risikopatienten. Ein halbes Jahr nach der Impfung sinke das erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich herab. Drosten erklärte, dass hier Auffrischungsimpfungen sinnvoll sein könnten und erwartet hierfür die Definition eines Altersniveaus.

Medizinische Wissenschaft braucht Unabhängigkeit

Aus Sicht von Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt können Auffrischungsimpfungen für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, mit einem geschwächten Immunsystem sowie für Hochbetagte durchaus sehr sinnvoll sein. Nach bisherigem Kenntnisstand und Auffassung namhafter Experten seien sie aber für die meisten Geimpften nicht sofort nötig. „Insgesamt fehlen uns immer noch aussagekräftige Studien, ob wann und für wen eine Booster-Impfung angezeigt ist“, sagte Reinhardt im August.

Die STIKO befasse sich bereits intensiv mit dem Thema. Die STIKO-Empfehlungen basierten ausschließlich auf der Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz. Das gelte auch für die nun anstehende Nutzen-Risiko-Abwägung von Corona-Auffrischungsimpfungen für Erwachsene. „Bund und Länder wären gut beraten, bei dieser wichtigen Frage die STIKO nicht zu übergehen“, erklärte der BÄK-Präsident.

Zudem erinnerte Reinhardt an die Debatte zu Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren. „Medizinische Wissenschaft muss unabhängig sein und bleiben“, betonte er. Wichtig sei deshalb, dass die STIKO dem starken politischen Druck widerstanden und ihre Empfehlungen zu Corona-Schutzimpfungen bei Kindern und Jugendlichen nicht übereilt, sondern auf solider wissenschaftlicher Grundlage abgegeben habe. Die STIKO habe sich die notwendige Zeit genommen, auf Basis aktueller Daten und Beobachtungen eine evidenzbasierte Neubewertung der Sachlage vorzunehmen. „Damit hat sie das Vertrauen der Menschen in die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Gremiums gestärkt“, so Reinhardt. Vor allem aber gebe sie damit Jugendlichen und Eltern sowie Ärztinnen und Ärzten bei der Entscheidung über eine Corona-Schutzimpfung wichtige Hilfestellung und notwendige Orientierung.

Booster-Kampagnen in Israel und U.S.A. gestartet

Israel steckt schon mitten in der Booster-Kampagne. Galt das Land Anfang dieses Jahres als Impfweltmeister gegen die Corona-Pandemie, kämpft es inzwischen mit einer Inzidenz von über 500 mit täglich rund 8 000 Neuinfektionen bei 9,4 Millionen Einwohnern. Mehr als die Hälfte der Covid-Patienten in Israels Krankenhäusern ist zweimal geimpft, der Schutz war nicht mehr ausreichend, berichtet ZDF heute. Einer Studie der israelischen Krankenkasse Maccabi zufolge schütze die Drittimpfung zu 86 Prozent, gegen schwere Verläufe sogar 93 Prozent – auch gegen die Delta-Variante.

Auch die US-Regierung plant, voraussichtlich ab September mit Auffrischungsimpfungen gegen das Corona-Virus zu beginnen. Rund acht Monate nach der zweiten Impfdosis sollen vollständig Geimpfte eine dritte Dosis mit den Präparaten von Moderna oder BioNTech/Pfizer erhalten. Auch die Hersteller der beiden mRNA-Impfstoffe arbeiten intensiv daran, die offizielle Zulassung für die Booster-Impfung zu erhalten – bei der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) und der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA).

In Deutschland haben fast alle Bundesländer begonnen, die dritte Impfdosis anzubieten; Niedersachsen will im Oktober folgen.

WHO für globale Impfgerechtigkeit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert hingegen die Einführung von Auffrischungsimpfungen im großen Stil und plädiert dafür, die Impfstoffe bis mindestens Ende September nicht für Booster-Impfungen zu verwenden.

„Wir können nicht hinnehmen, dass Länder, die bereits den größten Teil der weltweiten Impfstoffvorräte verbraucht haben, noch mehr davon verwenden“, betont WHO- Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Von den mehr als vier Milliarden verabreichten Impfstoffdosen seien mehr als achtzig Prozent an Länder mit hohem und mittlerem Einkommen gegangen, obwohl dort weniger als die Hälfte der Weltbevölkerung lebe.

 

 

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news-3157 Tue, 07 Sep 2021 13:55:16 +0200 Zusatzweiterbildung vermittelt wichtige Grundlagen der Suchtmedizin https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3157&cHash=2dcbba4998ec0b7516670812de4b1de4 Entscheiden sich Ärztinnen und Ärzte für die Versorgung opioidabhängiger Patientinnen und Patienten, müssen sie eine suchtmedizinische Zusatzweiterbildung absolvieren. Entsprechende Kurse bieten die Landesärztekammern an – basierend auf der (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer. Entscheiden sich Ärztinnen und Ärzte für die Versorgung opioidabhängiger Patientinnen und Patienten, müssen sie eine suchtmedizinische Zusatzweiterbildung absolvieren. Entsprechende Kurse bieten die Landesärztekammern an – basierend auf der (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer.

Die suchtmedizinische Zusatzweiterbildung umfasst in der Regel 50 Stunden und thematisiert die Suchtentstehung und -verbreitung und behandelt die vorherrschenden Suchtstoffe Alkohol, Nikotin, Opioide wie auch psychotrope Medikamente. Vorgestellt werden zudem Behandlungsmöglichkeiten der daraus resultierenden Abhängigkeitserkrankungen sowie die Aufgaben und Arbeitsweisen des Suchthilfesystems, der Sozialversicherungen und Sozialhilfeträger. Darüber hinaus werden in der Zusatzweiterbildung die Grundlagen einer motivierenden Gesprächsführung vermittelt und geübt.

Ärztinnen und Ärzte, die nicht über diese Zusatzqualifikation verfügen, können bis zu zehn Patienten behandeln, wenn sie ihre Therapie mit einem suchtmedizinisch qualifizierten Konsiliarius abstimmen.

Um die Behandlung im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung abrechnen zu können, bedarf es einer Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Zudem sind die zu behandelnden Patienten dem Substitutionsregister der Bundesopiumstelle beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu melden. Damit sollen mögliche Doppelbehandlungen vermieden werden.

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news-3158 Tue, 07 Sep 2021 13:58:23 +0200 Reinhardt: Suchtmedizin braucht ganzheitlichen Behandlungsansatz https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3158&cHash=bed25ca50f99ba44b883dd507b77aacc Die Substitutionsbehandlung erleichtert opiatabhängigen Menschen den Weg zurück in ein normales Leben. Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt im Gespräch mit BÄKground über mögliche Ansätze, die Versorgungslage in Deutschland zu verbessern. Die Substitutionsbehandlung erleichtert opiatabhängigen Menschen den Weg zurück in ein normales Leben. Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt im Gespräch mit BÄKground über mögliche Ansätze, die Versorgungslage in Deutschland zu verbessern:

Herr Dr. Reinhardt, in Großstädten wie Berlin und Frankfurt gehören Schwerpunktpraxen oder Schwerpunktsprechstunden für suchtkranke Menschen mittlerweile zum Versorgungsalltag. In ländlichen Gebieten gibt es das aufgrund der langen Wege kaum. Wo ist aus Ihrer Sicht die Versorgung in Deutschland besonders verbesserungsbedürftig?

Die Substitutionsversorgung muss vor allem in einigen ländlichen Gebieten Bayerns und Baden-Württembergs sowie in den grenznahen Gebieten des Saarlands und Rheinland-Pfalz wie auch in den östlichen Bundesländern ausgebaut werden.

Denn Versorgungslücken begünstigen eine Abwanderung Opiatabhängiger in Richtung Großstädte, wo es die angesprochenen Schwerpunktpraxen eher gibt als auf dem Land. Das aber verhindert eine gute Reintegration in der Herkunftsregion und kann zur Verfestigung des Einzelnen in der Szene (der größeren Städte) beitragen. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Ein Viertel der Substitutionspraxen versorgt inzwischen über 50 Patienten. Das bedeutet, dass 14 Prozent der rund 2 500 substituierenden Ärztinnen und Ärzte die Hälfte aller Substitutionspatienten versorgen.

Welche Möglichkeiten gibt es, um die Substitutionsversorgung in Deutschland zu verbessern und substituierende Ärzte zu unterstützen?

Drogenberatungsstellen bieten in der Regel auch die psychosoziale Betreuung an. Wenn also künftig weitere Einrichtungen des Gesundheitswesens in die Versorgung der Opiatabhängigen einbezogen werden, würde das Praxen sicherlich entlasten. Ich denke dabei etwa an Ermächtigung von Krankenhausambulanzen oder auch den Einbezug von Gesundheitsämtern. Psychiatrische Versorgungsstrukturen sollten ebenfalls stärker eingebunden werden, zumal Psychiater im Rahmen ihrer fachärztlichen Weiterbildung suchtmedizinische Qualifikationen erwerben.

Um mehr Ärztinnen und Ärzte für diesen Versorgungszweig zu interessieren, könnten Suchtmedizin und die Substitutionsbehandlung stärker in der medizinischen Ausbildung und Weiterbildung thematisiert werden. Was meinen Sie dazu?

In den entsprechenden Fächern wird Suchtmedizin schon heute während des Studiums behandelt, was aber sicherlich noch ausbaufähig wäre. Die Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen als solche aber benötigt sehr spezielle Kenntnisse, die im Studium nur begrenzt vermittelt werden können. Das sollte der Weiterbildungszeit vorbehalten bleiben – vor allem in den dafür relevanten Fächern wie der Psychiatrie, der Neurologie sowie der Inneren und Allgemeinmedizin. Denn die Substitutionsbehandlung von Opioidabhängigen ist weit mehr als eine Art Ersatztherapie auf Arzneimittelbasis.

Sollte die Vergütung für die Substitutionsbehandlung attraktiver gestaltet werden?

Die Substitutionsbehandlung ist keineswegs unterfinanziert. Sie erfolgt sogar außerhalb der Gesamtvergütung. Eine aktuelle Befragung von substituierenden Ärztinnen und Ärzten durch das Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hat gezeigt, dass die meisten von ihnen mit der Vergütung durchaus zufrieden sind. Allerdings werde der Aufwand für ‚schwierige‘ Patienten nicht entsprechend abgebildet und auch die Honorierung für Patientengespräche sei nicht ausreichend. Hier gibt es noch Diskrepanzen zwischen den rechtlichen Vorgaben und dem, was die behandelnden Ärzte dann auch tatsächlich abrechnen können. Oder es werden falsche Anreize gesetzt, dass etwa die tägliche Vergabe des Substituts in der Praxis lukrativer ist als eine Take-home-Verordnung, die aber möglicherweise aus therapeutischer Sicht durchaus sinnvoll sein kann.

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news-3159 Tue, 07 Sep 2021 14:02:06 +0200 Suchtmedizin: Ärztlichen Nachwuchs in den Fokus rücken https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3159&cHash=1465a7ec76c11e43c0c6c0f6e8720ecb Trotz steigender Nachfrage für eine Substitutionsbehandlung Opioidabhängiger sinkt die Zahl substituierender Ärztinnen und Ärzte. Immer mehr von ihnen gehen in den Ruhestand; der ärztliche Nachwuchs fehlt. Die Bundesdrogenbeauftragte, Daniela Ludwig, und die Bundesärztekammer haben deshalb die Initiative „Substitutionstherapie – Wege zurück ins Leben“ gestartet, um mehr junge Ärzte für die Substitutionsbehandlung zu gewinnen. Trotz steigender Nachfrage für eine Substitutionsbehandlung Opioidabhängiger sinkt die Zahl substituierender Ärztinnen und Ärzte. Immer mehr von ihnen gehen in den Ruhestand; der ärztliche Nachwuchs fehlt. Die Bundesdrogenbeauftragte, Daniela Ludwig, und die Bundesärztekammer haben deshalb die Initiative „Substitutionstherapie – Wege zurück ins Leben“ gestartet, um mehr junge Ärzte für die Substitutionsbehandlung zu gewinnen.

Schätzungsweise 166.000 Menschen in Deutschland sind opioidabhängig. Weniger als die Hälfte von ihnen befindet sich in Behandlung bei substituierenden Ärztinnen und Ärzte. Bei der Substitutionsbehandlung wird das von den Abhängigen konsumierte Opioid – zumeist Heroin – durch ein opioidhaltiges Medikament wie etwa Methadon oder Levomethadon ersetzt.

Vorrangiges Ziel der Substitutionsbehandlung ist es, den Suchtdruck und die Entzugsbeschwerden bei den Patientinnen und Patienten zu unterdrücken und den Drogenkonsum schrittweise zu reduzieren. Dadurch können das Überleben der Patienten gesichert und psychische und somatische Begleiterkrankungen behandelt werden. Zugleich wird das Risiko einer Infektionserkrankung wie HIV oder Hepatitis verringert.

Über eine begleitende psychosoziale Betreuung sollen Patienten unter anderem darin unterstützt werden, (wieder) einer Ausbildung oder geregelten Arbeit nachzugehen, soziale Beziehungen wiederherzustellen oder aufzubauen und gegebenenfalls auch für ihre Kinder wieder Sorge zu tragen. Verschiedene wissenschaftliche Studien bestätigen diesen Therapieansatz. So begleiteten beispielsweise Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden sechs Jahre lang mehr als 2 000 Patienten, um die Effekte der langfristigen Substitutionsbehandlung zu untersuchen (PREMOS-Studie).

Versorgungslücken bei der Substitutionsbehandlung schließen

Basierend auf den von den substituierenden Ärztinnen und Ärzten gemeldeten Patientinnen und Patienten erstellt die Bundesopiumstelle im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen jährlichen Substitutionsbericht. Dieser hat in den vergangenen Jahren zunehmend gezeigt: Die Zahl der substituierenden Ärztinnen und Ärzte sinkt. Waren im Jahr 2011 noch etwa 2 700 in diesem Bereich tätig, sind es derzeit rund 2 500 Ärzte. Damit werden Versorgungslücken bei der Substitutionsversorgung in Deutschland größer – vor allem fernab der Großstädte.

„Es ist allerhöchste Zeit, die weißen Flecken in der Substitutionsversorgung zu beseitigen und das Angebot noch direkter an die Patientinnen und Patienten anzupassen. Wir stehen vor einem akuten Nachwuchsmangel, wenn es uns nicht gelingen sollte, die Substitutionsbehandlung und das Thema Sucht bereits für den ärztlichen Nachwuchs in den Fokus zu rücken.“ erklärt die Bundesdrogenbeauftragte Ludwig das Ziel der Initiative. Mögliche Hemmschwellen sollen ab- und das Interesse an der Substitution aufgebaut werden.

Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt sieht einen Grund für das nachlassende Engagement junger Ärzte in diesem Bereich in der nach wie vor verbreiteten Ansicht, Heroinabhängige seien Kriminelle. „Es ist keine leichte Entscheidung, sich diesen Patienten zuzuwenden – insbesondere, weil sich deren Behandlung nicht so ohne Weiteres in den Praxisalltag einbinden lässt“, so Reinhardt. Dabei werde allerdings verkannt, dass gerade durch die Substitutionsbehandlung viele der Patienten eine reelle Chance haben, sich wieder ein stabiles und normales Leben aufzubauen.

Zielte die Behandlung von Opioidabhängigen in der Vergangenheit vor allem auf eine Abstinenz der Patienten, steht nun die Stabilisierung des Patienten durch eine in der Regel langfristige Substitutionsbehandlung im Fokus – wodurch das Rückfall- und Mortalitätsrisiko wirksam gesenkt werden kann.

„Würde nach wie vor Abstinenz als vorrangiges Behandlungsziel anvisiert, bestehe die Gefahr, Patienten wieder zu verlieren, und dass diese sich auf der Straße überdosieren und versterben“, betont Reinhardt. In der Richtlinie der Bundesärztekammer (BÄK) sei klar geregelt, dass die Stabilisierung von Patienten und die Behandlung ihrer Begleiterkrankungen sowie die Verringerung des Infektionsrisikos Priorität haben müssen. Mit dem Abstinenzziel hingegen müsse sehr behutsam verfahren werden – weniger als zehn Prozent erreichten dauerhafte Abstinenz. „Sucht ist eine chronische Erkrankung, die leider oftmals auch einer dauerhaften Behandlung bedarf – wie bei einem Diabetiker auch“, so Reinhardt.

Rechtliche Grundlagen und ärztliche Therapiefreiheit

Die Substitutionsbehandlung opioidabhängiger Patienten basiert rechtlich auf dem Betäubungsmittelgesetz und der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung. Mit letzterer wurden der BÄK weitreichende Kompetenzen übertragen, den Behandlungsrahmen mittels einer Richtlinie auf Grundlage des medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisstands auszugestalten. Eine darauf abgestimmte Anpassung der Substitutionsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für die kassenärztliche Versorgung erfolgte 2018.

Vor Behandlungsbeginn ist zunächst die Diagnose einer Opioidabhängigkeit gemäß ICD-10 sicherzustellen. Abzuklären ist auch, ob der Patient Alkohol oder andere psychotrope Substanzen zusätzlich zum Opioid konsumiert. Zu Therapiebeginn sind eine tägliche Einnahme des Substituts unter Sicht sowie engmaschige Kontrollen eines begleitenden Substanzkonsums erforderlich. Ist der Patient stabil eingestellt, kann eine sogenannte Take-home-Verordnung ausgestellt werden. Diese erlaubt die eigenverantwortliche Einnahme des Substituts über einen Zeitraum von bis zu sieben, in begründeten Fällen bis zu 30 Tagen.

Pandemiebedingt wurden mit der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung im April 2020 unter anderem die Regelungen zum erforderlichen täglichen Praxiskontakt gelockert, um das Infektionsrisiko für alle Beteiligten zu reduzieren.

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news-3164 Tue, 07 Sep 2021 13:35:00 +0200 #HierWirdGeimpft: Aktionswoche soll Impfquote erhöhen https://www.zentrale-ethikkommission.de/presse/informationsdienst/baekground-news/detail/?tx_news_pi1%5Bnews%5D=3164&cHash=a4111976556037101e85f4021f50f335 Das Bundesgesundheitsministerium initiiert vom 13. bis 19. September 2021 eine bundesweite Aktionswoche. Unter dem Motto „#HierWirdGeimpft“ sollen die Bürgerinnen und Bürger auf vorhandene Impfangebote aufmerksam gemacht und die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure zu kreativen Impfangeboten vor Ort motiviert werden. Ziel ist, die Impfquote in Deutschland zu erhöhen. Das Bundesgesundheitsministerium initiiert vom 13. bis 19. September 2021 eine bundesweite Aktionswoche. Unter dem Motto „#HierWirdGeimpft“ sollen die Bürgerinnen und Bürger auf vorhandene Impfangebote aufmerksam gemacht und die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure zu kreativen Impfangeboten vor Ort motiviert werden. Ziel ist, die Impfquote in Deutschland zu erhöhen.

Viele Ungeimpfte seien keine überzeugten Impfverweigerer. „Um diese Unentschlossenen zu erreichen, muss die Impfkampagne in Deutschland komplett neu aufgestellt werden“, sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. „Jetzt brauchen wir viel zielgenauere Kommunikationsmaßnahmen und niedrigschwellige Impfangebote.“ Gefragt seien kreative Konzepte.

„Es geht darum, dass alle im Land für die Impfkampagne noch einmal die Ärmel hochkrempeln und ihr so einen weiteren Schub vor dem Herbst geben“, erklärt das Ministerium den Hintergrund der Aktionswoche. Vielen Menschen werde der Schritt zur Impfung erleichtert, wenn sie unkompliziert und auch spontan bei sich vor Ort eine Corona-Schutzimpfung bekommen können – sei es auf dem Marktplatz, dem Sportplatz, am Ärztezentrum oder vor dem Supermarkt.

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